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Papyrus, Propaganda und Prügel Asterix ist auf der Suche nach der Wahrheit

Von Markus Lippold

Asterix hat Zaubertrank getrunken - und schon geht's los.

Asterix hat Zaubertrank getrunken - und schon geht's los.

(Foto: 2015 Les Éditions Albert René)

Man darf nicht alles glauben, was man liest, sagen die Gallier. Erst recht nicht, wenn Cäsar es geschrieben hat. Aber ein Whistleblower will die Wahrheit ans Licht bringen. Asterix und Obelix stehen ihm in ihrem neuen Abenteuer zur Seite.

Die Sieger schreiben die Geschichte, heißt es. Selten stimmte das so sehr wie im Falle der Gallischen Kriege. Cäsar schrieb ein Buch über seinen Feldzug, das bis heute Lateinschüler ächzen lässt. Doch schrieb Cäsar die Wahrheit? Verfolgte er mit seiner Darstellung nicht auch eigene Interessen? Ist es nicht möglich, dass er deshalb auch ein kleines Dorf voller unbeugsamer Gallier verschwieg, das dem Römischen Reich Widerstand leistete?

Genau darum geht es in "Der Papyrus des Cäsar", dem neuen Abenteuer von Asterix und Obelix. Denn wie sagt doch Miraculix: "Viele Leute neigen dazu, zu glauben, was geschrieben steht. Ein seltsames Phänomen!" Dabei zeigen sich Autor Jean-Yves Ferri und Zeichner Didier Conrad ungewöhnlich politisch. Nicht nur tritt eine Figur auf, die die Gesichtszüge von Julian Assange trägt. Auch die Themen Informationskontrolle und Wahrheitsfindung sind hochaktuell - man denke nur an Wikileaks, Edward Snowden und Propaganda-Vorwürfe im Ukraine-Krieg.

Cäsar möchte gut dastehen - widerspenstige Gallier sind ihm da ein Gräuel.

Cäsar möchte gut dastehen - widerspenstige Gallier sind ihm da ein Gräuel.

(Foto: 2015 Les Éditions Albert René)

Die ganze Wahrheit

Was das mit Cäsar zu tun hat? Der Herrscher hat in sein Buch über den Feldzug nach Norden auch ein Kapitel über die unbeugsamen Gallier eingefügt. Sein Berater Rufus Syndicus aber rät ihm ab, von dem uneinnehmbaren Dorf zu berichten. Das könnte schließlich dem Ruf schaden. Cäsar willigt ein, den Abschnitt zu zensieren. Doch ein Schreiber schmuggelt das besagte Kapitel nach draußen und spielt es dem Kolporteur Polemix zu - der darin eine Geschichte wittert, die das ganze Reich erschüttern könnte. Schließlich denkt der Senat, Cäsar habe wirklich ganz Gallien erobert.

Verfolgt von Syndicus' Häschern landet der Gallier Polemix bei Asterix und Co. Dort ist man wenig erbaut davon, dass Cäsar die Wahrheit ignoriert und die standhaften Dorfbewohner einfach verschweigt. Es gilt, die Ehre des Dorfes wieder herzustellen und die wahre Geschichte des Gallischen Krieges der Nachwelt zu bewahren. Gar nicht so einfach bei einem Volk, das auf mündliche Überlieferung und nicht auf Schrift setzt.

Obelix scheut keinen Konflikt.

Obelix scheut keinen Konflikt.

(Foto: 2015 Les Éditions Albert René)

Im Gespräch mit n-tv.de verrieten Ferri und Conrad, dass sie bei diesem Album etwas ambitionierter sein und mehr wagen wollten. Schließlich hatten sie mit ihrem ersten gemeinsamen Band, "Asterix bei den Pikten", einen ordentlichen Erfolg eingefahren. Es war das erste Album ohne Asterix-Mitschöpfer Albert Uderzo (der andere Vater der Gallier, René Goscinny, ist bereits in den 70ern gestorben). Viel Raum für Veränderungen haben die beiden trotzdem nicht, denn Fans und Verlag wachen mit Argusaugen darüber, dass die Tradition der Serie gewahrt bleibt.

Einfache, aber effektvolle Grundidee

Dass sie dem neuen Album nun einen durchaus politischen, vor allem aber aktuellen Grundton verleihen, ist da schon erstaunlich. "Der Papyrus des Cäsar" besticht vor allem durch seine einfache, aber effektvolle Grundidee. Nicht nur, weil eines der berühmtesten literarischen Werke der Antike durch den Kakao gezogen wird. Sondern weil der Band ein Thema aufgreift, das auch 2000 Jahre später noch für heftige Diskussionen sorgt: Was ist historische Wahrheit? Was bewirkt Zensur? Und wer bestimmt darüber?

Asterix Band 36 "Der Papyrus des Cäsar" erscheint als Hardcover in der Egmont Comic Collection und als Softcover bei Egmont Ehapa Media.

Asterix Band 36 "Der Papyrus des Cäsar" erscheint als Hardcover in der Egmont Comic Collection und als Softcover bei Egmont Ehapa Media.

(Foto: "Asterix" / Egmont Comic Collection)

Es ist wenig verwunderlich, dass Ferri und Conrad Sympathien mit dem Whistleblower Polemix hegen. Getreu der Serientradition ist er ein heldenhafter Gallier, der sich mit dem mächtigen Römischen Imperium anlegt. Nur seine Bezeichnung als Kolporteur - laut Duden ein "Verbreiter von Gerüchten" - wirkt etwas deplatziert. Denn tatsächlich rückt er durch die Veröffentlichung von Geheimnissen nur Cäsars subjektive Sicht auf die Geschichte gerade. Er ist damit ein früher Vorläufer der heute bekannten Whistleblower.

Obwohl Polemix eine sehr interessante Gestalt ist, tritt er leider irgendwann in den Hintergrund. Damit verliert auch das Album seinen Biss. Mehr Action hätte dem Album jedoch gut getan, wie auch eine Handlung, die mehr Überraschungen bietet. Stattdessen begleitet man Asterix, Obelix und Miraculix, die eine geheime Mission erfüllen, und wird Zeuge der mitunter handfesten Geschehnisse im Dorf der Gallier.

Bigdatha und Antivirus

Stets dabei ist der typische Asterix-Humor, von sprechenden Namen wie Bigdatha und Antivirus bis zu Wortspielen und lateinischen Zitaten. Gelungen sind vor allem die Anspielungen auf moderne Kommunikationsformen: Tauben dienen als SMS-Ersatz, werden aber mitunter von Falken gehackt und die Gallier verfügen über die Frühform eines sozialen Netzwerks. Hinzu kommen Anspielungen auf klassische Asterix-Abenteuer wie "Asterix und die Goten", die vor allem langjährige Fans der Reihe erfreuen dürften.

Auch die Zeichnungen von Conrad lassen wenige Wünsche offen. Zwar ist sein Strich etwas gröber als jener von Uderzo, doch die Figuren haben Schwung. Dass Afrikaner wie der Mann im Ausguck der Piraten nach wie vor dicklippig und etwas dümmlich dargestellt sind und damit überkommene Vorurteile bedienen, hätte die Serie aber nicht mehr nötig. Humorvolle Überzeichnungen sind auch anders möglich, wie viele andere Figuren beweisen.

Etwas mehr Dichte hätte dem Band insgesamt gut getan und hätte auch die überzeugende Haupthandlung besser zur Geltung gebracht. Aber Ferri und Conrad schließen mit "Der Papyrus des Cäsar" dort an, wo sie mit ihrem gelungenen Debüt begonnen haben. Die beiden halten die Serie am Leben und sind auf einem guten Weg, sich als anerkannte Asterix-Erben zu etablieren. So ihnen denn die Vorgaben des Verlags etwas Raum zur Entfaltung geben.

Der 36. "Asterix"-Band "Der Papyrus des Cäsar" erscheint am 22. Oktober als Softcover im Zeitschriftenhandel, als Hardcover sowie digital. Mehr Infos dazu gibt es auf der offiziellen Seite.

Quelle: n-tv.de

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