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Liebesbrief an London "Paddington" wärmt das Herz

Eltern und andere Erwachsene, schnappt euch die Kinder und geht ins Kino. Oder traut euch und schaut ohne kindliche Begleitung "Paddington" an, denn dieser kleine Bär und seine Abenteuer erwärmen das Herz - der perfekte Film zur Jahreszeit.

Da hockt er nun auf dem Bahnsteig des Londoner Paddington Bahnhofs: der kleine Bär, von seiner Tante nach einem Erdbeben aus dem tiefsten Peru in die britische Metropole geschickt, denn dort würde er "immer willkommen" geheißen. Und tatsächlich, nach stundenlangem Warten, erbarmt sich die freundliche Frau Brown (Sally Hawkins) zum Entsetzen ihres Mannes (Hugh Bonneville) dieser armen Kreatur, die zwar süchtig nach Orangenmarmelade ist, sonst aber durch einen sehr höflichen Umgangston auffällt. Ein Name ist auch gefunden - Paddington.

So bringt dieser entzückende Zeitgenosse mit seiner Tollpatschigkeit Chaos in das wunderschöne Haus der Browns in Notting Hill. Die Kinder Judy (Madeleine Harris) und Jonathan (Samuel Joslin) sind zunächst skeptisch und Herr Brown ist es sowieso. Bonneville spielt mit Gusto diesen nach eigener Aussage "sehr nervösen Mann, der zuerst immer das Risiko sieht. Zu dem Zeitpunkt, als der Bär in ihre Familie hineinschneit, haben er und seine Frau eine kleine Krise. Sally und ich durften in unseren Szenen wunderbar improvisieren."

Paddington mit Mister Brown (Hugh Bonneville).

Paddington mit Mister Brown (Hugh Bonneville).

(Foto: Laurie Sparham / STUDIOCANAL)

Eine neue Cruella De Vil

Es droht noch weiteres Ungemach für die Helden des Films: Nachbar Curry (Peter Capaldi) mag keine sprechenden Nachbarn mit Fell und dann ist da noch die finstere Millicent, die Paddington am liebsten ausgestopft im Londoner Naturkundemuseum sehen würde. Nicole Kidman hat sichtlich Spaß, diese sehr verführerische und sinistre Gestalt zu spielen - eine würdige Nachfolgerin von Cruella De Vil aus "101 Dalmatiner".

Paddington Bär wurde 1958 von dem britischen Kinderbuchautoren Michael Bond erfunden und spielte eine große Rolle in der Kindheit vieler, nicht nur der Briten. Regisseur Paul King übernahm die Herausforderung, so eine Kultfigur auf die große Leinwand zu bringen. Er ist ein Unbekannter, aber Produzent David Heyman, auch bei sämtlichen "Harry Potter"-Filmen dabei, setzte sich für ihn ein - zu Recht. "Wir haben Paul viel zu verdanken", lobt Bonneville die visuellen Ideen seines Regisseurs. Es war auch Kings Idee, eine Calypso-Band für die musikalische Untermalung sorgen zu lassen und so den multikulturellen Charakter der Geschichte zu unterstreichen. "Es ist ein Liebesbrief an London", schwärmt Sally Hawkins von den Verdiensten des Filmemachers. "So schön und multikulturell wurde London noch nie in einem Kinderfilm dargestellt. Als Londonerin bin ich richtig stolz darauf."

Die böse Tierpräparatorin Millicent wird von Nicole Kidman gespielt.

Die böse Tierpräparatorin Millicent wird von Nicole Kidman gespielt.

(Foto: dpa)

Inspiration durch Flüchtlinge

So gelingt es auch, auf sehr charmante Art und Weise eine entsprechende Botschaft unterzubringen: "Michael Bond wurde für Paddington von den Londoner Kindern inspiriert, die im Zweiten Weltkrieg mit einem Zettel um den Hals per Bahn aufs Land evakuiert wurden", berichtet Bonneville. "Ebenso von den jüdischen Kindern, die damals vor den Nazis in Sicherheit gebracht worden sind. Sicher kann man dies auch auf die vielen Flüchtlinge, die ihr Heil in Großbritannien suchen, übertragen." London war schon immer eine Stadt von Immigranten und es ist sicherlich auch eine der wenigen Städte, wo ein sprechender Bär nicht für viel Aufsehen sorgen würde - bei all den bunten Gestalten, die hier auf den Straßen zu betrachten sind.

"Paddington" erhellt mit seinen vielen Gags die graue Winterzeit und auch Erwachsene werden sich nur schwer seinem Charme entziehen können. Ein wunderbarer Film, der das Zeug zum Klassiker hat.

"Paddington" startet am 4. Dezember 2014 in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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