Unterhaltung

"Nette Männer ohne Glieder" Jauchs Giftgurken fürs "Tschernobyl-Kind"

Von Nina Jerzy

Liegt es am Frühlingsanfang? Bei "Wer wird Millionär?" wimmelt es vor phallischen Anspielungen. Da bringen eintauchende Schlangen das Verderben, Gurken den Tod und Thomas Gottschalk mit gliedlosen Herren tüchtig Ärger.

Mit Tieren und ihrem speziellen Verhalten hatte Kandidatin Anke Wiegand schon in der vergangenen Ausgabe nicht das solideste Allgemeinwissen demonstriert. Damals waren es trommelnde Spechte, die die Finanzexpertin ins Schleudern brachten. Jetzt bescherten schlüpfrige Reptilien dieser Eva des RTL- Quizparadieses das Aus, wenn auch im übertragenen Sinn. Für 8000 Euro wurde gefragt, wozu der Spruch "Eine Schlange taucht aus dem Teich, kriecht um den Baum und taucht dann wieder in den Teich zurück" eine Anleitung ist: Häkeln, Flamenco, Seemannsknoten oder Kamasutra. Wiegand nahm trotz drei Jokern ohne Absicherung das Häkeln und fiel auf 500 Euro zurück. Mit der Schlange war nämlich das Tau gemeint. Ähnlich phallisch ging es weiter. Zunächst aber zu deutsch-amerikanischen Missverständnissen der anderen Art.

Anke Wiegand scheiterte an der 8000-Euro-Frage.

Anke Wiegand scheiterte an der 8000-Euro-Frage.

Die folgende Kandidatin Liane Hennebach hatte keine Ahnung, dass Hallenfußball auch als Budenzauber bezeichnet wird. 99 Prozent des Publikums halfen bei der korrekten Beantwortung der 1000-Euro-Frage. Bliebe da das eine Prozent, das auf "Hüttenhexerei" getippt hatte. Günther Jauch holte bei der Regie umgehend den Sitzplatz der Übeltäterin ("Es ist eine Sie, die Hüttenhexe") ein. Die angeprangerte Dame wies aber jede Schuld von sich: "Ich hab gar nicht gedrückt!" Eine durchsichtige Schutzbehauptung? Mitnichten, denn der Moderator hatte glatt links mit rechts verwechselt. Aber auch die korrekt identifizierte Zuschauerin hatte eine gute Rechtfertigung. "Ich habe das falsch gelesen", entschuldigte sich die US-Amerikanerin im gebrochenen Deutsch. Da war der auf Rache sinnende Moderator umgehend friedlich gestimmt und verabschiedete die Besucherin von jenseits des Atlantiks mit festem Nato-Partner-Händedruck.

Ach, der Tommy

In den USA war Hennebach mit ihrer Rockband schon mal auf Tour und zwar als einzige Frau unter Männern in einem Bus. Das erinnerte Jauch an eine Anekdote von einst, als sein guter Freund Thomas Gottschalk in dessen Radiosendung ebenfalls eine Sängerin mit rein männlicher Band zu Besuch hatte. Die Straßenmusikerin habe abgestritten, dass es da nachts zu Eskapaden käme. "Wie sagt schon der Volksmund? Wo man singt, da lass dich nieder, nette Männer haben keine Glieder", erinnerte sich Jauch wehmütig an Gottschalks Replik. Die habe dem Bayerischen Rundfunk natürlich umgehend Zuhörerbeschwerden beschert ("Was hat er denn damit gemeint?").

Um beim Leitsymbol des Abends zu bleiben: Bei der 32.000-Euro-Frage sollte die Kandidatin aus Chemnitz wissen, welches im Garten gezogene Gewächs wegen des Inhaltsstoffs Cucurbitacin giftig sein kann. Gurke, Erdbeere, Kartoffel oder Weißkohl? Unter Mithilfe des Zusatzjokers und langem Zögern tippte Hennebach auf die korrekte Gurke. Angesichts der tendenziell hadernden Grundstimmung der Kandidatin warf Jauch leicht frustriert ein: "Sie sind eine Murmlerin, sie trauen sich nichts zu." Die so Gescholtene konnte dem nur beipflichten, aber es steckt ihr einfach in den Knochen. "Ich bin ein Tschernobyl-Kind", merkte die im Jahr der Nuklearkatastrophe geborene Sprachlehrerin später an. "Mama hat das alles gegessen. Die im Osten haben damals doch das ganze Gemüse von da gekriegt."

Hennebach stieg mit 32.000 Euro aus und stimmte auf Jauchs Anregung hin das Gospellied "Oh Happy Day" an. Der Moderator klatschte zwar rhythmisch mit dem Publikum. Doch sein verschmitztes Lächeln mag verraten haben, dass er der Kandidatin die frohe Botschaft einfach nicht abkaufen wollte. Ganz anders im Vatikan. Dessen Bewohner sind nämlich laut einer aktuellen Studie Weltmeister im Weintrinken, wie in einer Frage zu erfahren war.

Quelle: n-tv.de

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