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"Tatort" aus Dresden Erbsensuppen-Tag im Internet

Von Ingo Scheel

Emilia (links, Caroline Hartig) wird von  den Ermittlerinnen Heni Sieland (Mitte, Alwara Höfels) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) befragt.

Emilia (links, Caroline Hartig) wird von den Ermittlerinnen Heni Sieland (Mitte, Alwara Höfels) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) befragt.

(Foto: © MDR/Gordon Muehle)

Simson ist ein Prankster, sein Boss hat einen ganzen Stall voller Talents und die Follower klicken ultramäßig rein. "Level X" heißt der neueste Fall für das Dresdner "Tatort"-Duo. Es hätte mehr verdient als diese klischeelastige Runde Bullshit-Bingo.

Neue Themenwoche, neues Glück: "Woran glaubst du?" lautet das Motto in der ARD vom 11. bis zum 17. Juni und das Angebot ist durchaus farbenreich. Die Dokumentation "Land ohne Glauben" etwa setzt sich am kommenden Montag mit dem Christentum im Osten Deutschlands auseinander. Auf der Homepage des Ersten erzählt zudem der Musiker, Heilpraktiker und Druide Volkert Volkmann dem interessierten Leser, wo er seine Antworten auf wichtige Fragen erhält (Vorsicht Spoiler: "alleine im Wald") und auch der "Tatort" reiht sich thematisch ein.

Dabei geht es im neuesten Fall aus Dresden nicht um christlichen oder spirituellen Glauben, im Mittelpunkt stehen jene umtriebigen YouTuber, deren Gefolgschaft ihnen proto-religiös an den Lippen hängt. Einer von den neuen Stars ist Robin Kahle (Merlin Rose), als sogenannter Prankster unter dem Künstlernamen Simson unterwegs. Als der 17-Jährige unter den tausenden Augen jener Fan-Community, die seinen Streichen im Netz folgt, eine Rockerbande verschaukelt, kommt es zum Äußersten. Auf der Flucht vor den rauhbeinigen Gesellen wird Simson erschossen. Zu den Jugendlichen, die die Tat zu Hause live am Computer sehen, gehört auch Aaron (Alessandro Emanuel Schuster), der Sohn von Kommissarin Karin Gorniak (Karin Hanczewski), die entsprechend schnell mit Kollegin Henni Sieland (Alwara Höfels) am Tatort ist.

Die Rocker entpuppen sich bald als unschuldig, dafür tummelt sich im Umfeld des Ermordeten so einiges an zwielichtigen Gestalten: Ein junger Arzt (Ulrich Friedrich Brandhoff), der unter der Hand Schmerzmittel vertickt. Die junge Emilia (Caroline Hartig) mit den selbst zugefügten Schnittwunden an den Oberschenkeln. Simsons größte Konkurrenten Scoopy (Wilson Gonzalez Ochsenknecht), der eifersüchtig auf den Erfolg des getöteten Pranksters war. Und dann gibt es da noch den unappetitlich arroganten Magnus Cord (Daniel Wagner), jenem Chef der Internet-Klitsche, aus dem sich Simson und Scoopy rekrutierten.

Allgemeinplätze und Anglizismen am laufenden Band

Dritter Fall für das Dresdner "Tatort"-Team und zumindest unter den Team-Mitgliedern scheint es sich langsam zurechtzuruckeln. Das Verhältnis zwischen Kommissarin Gorniak und Sohnemann Aaron übersteht den Realitycheck, Henni Sielands Versuch, die neugewonnene Freiheit mit einem Kneipenquickie auszukosten, erlebt ein nachvollziehbares Ende, auch Chef Schnabel (Martin Brambach) bekommt seine Marotten mehr und mehr in den Griff. Nun ja, fast jedenfalls.

Was aber Autor Richard Kropf dazu bewogen hat, insbesondere dem Web-Paten Magnus Cord einen nicht enden wollenden Fluss von angelesenen Allgemeinplätzen und Anglizismen in den Mund zu legen, bleibt mehr als rätselhaft. Die "Talents" arbeiten im "Open Space", die einen sind "Soulmates", die andern labern nur "Cheap Talk". Dabei wissen wir doch alle: "Content is King", aber man muss eben auch "delivern". Haste "Swag", dann klicken alle "ultramäßig rein". Und wer im "Headquarter" nicht in Bewegung bleibt, der wird abgehängt. "RIP. Amen. Peace Out". Ausgerechnet Schnabel möchte man da zustimmen, wenn der dem Fortschritt hinterherstolpert: "Kann man das Internet nicht einfach mal abstellen?".

Quelle: n-tv.de

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