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Bin ich schon drin, oder was? Der Dresdner "Tatort" im Schnellcheck

Von Ingo Scheel

Simson spielt anderen Streiche. Im Jugendjargon heißt das pranken.

Simson spielt anderen Streiche. Im Jugendjargon heißt das pranken.

(Foto: MDR/Gordon Muehle)

Eine riesige Netz-Community folgt den mal mehr, mal weniger lustigen Streichen eines Web-Pranksters. Als er vor laufender Kamera getötet wird, machen sich die Dresdner Kommissarinnen auf ins Neuland Internet. Ein holpriger Ausflug vor den Computer-Screen.

Eine riesige Netz-Community folgt den mal mehr, mal weniger lustigen Streichen eines Web-Pranksters. Als er vor laufender Kamera getötet wird, machen sich die Dresdner Kommissarinnen auf ins Neuland Internet. Ein holpriger Ausflug vor den Computer-Screen.

Das Szenario

Simson, im bürgerlichen Leben Robin Kahle (Merlin Rose), ist in seinem Web-Channel als Prankster unterwegs, vulgo: Er spielt anderen Leute Streiche und überträgt das Ganze im Internet, eine Art "Verstehen Sie Spaß!" für Spät-Pubertierende. Mal jagt er Leuten auf der Straße nach, dann inszeniert er Drogenshopping im Krankenhaus. Als er in seinem neuesten Film eine Rockergang bloßstellt und die ihm auf die Schliche kommt, muss er die Beine in die Hand nehmen. Durchs nächtliche Dresden hallt plötzlich ein Schuss, Simson liegt tot am Boden. Die Kommissarinnen Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Henni Sieland (Alwara Höfels) haben zunächst die Rocker im Visier, bald darauf konzentrieren sich ihre Ermittlungen auf das Umfeld des getöteten Teenagers.

Die eigentliche Botschaft

Gute Frage, nächste Frage. Für Medienkritik zu tief im Klischee, für einen klassischen Krimi zu sehr verliebt in seine optischen, durchaus gelungenen Spielereien mit Chat-Bubbles, Video-Optik und On-Screen-Entertainment. Noch einmal zur Erinnerung: Der Fall aus Dresden ist Teil der "Woran glaubst du"-Themenwoche in der ARD. Daran, dass ein Haufen Jugendlicher dem salbadernden Möchtegern-Mogul einer Internet-Klitsche derart sinnentleert Wortblasen nachbrabbelt, als würden sie bei einem Casting von "Walking Dead" vorsprechen, glauben wir jedenfalls nicht.

Das Dresdner Ermittler-Trio Gorniak, Schnabel und Sieland.

Das Dresdner Ermittler-Trio Gorniak, Schnabel und Sieland.

(Foto: MDR/Gordon Muehle)

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Die Eltern werden sich vermutlich darüber unterhalten, dass sie mal wieder den Browserverlauf ihrer Kinder in Augenschein nehmen könnten, um herauszufinden, was die lieben Kleinen da so gucken. Und die wiederum dürften sich ins Fäustchen lachen, ob der kruden Klischees, die sich hier wie auf einer Perlenkette aneinanderreihen. So sie denn überhaupt den "Tatort" geguckt haben und sich nicht stattdessen lieber die neuesten Clips und Kauf-Empfehlungen der Lochis, von Dagi Bee oder Julien Bam angeschaut haben.

Der Plausibilitätsfaktor

Prankster gibt es, Rocker auch, Manager sind Schweine, neidische Kumpels manchmal auch. Alles gut und schön und durchaus plausibel. Eine Frage, Stichwort Lachsschaum-Speise, sei erlaubt: Woher wusste der Mörder, dass Simson die Rocker im Visier hat, dass die ganze Chose schiefgeht und sein Opfer genau jenen Fluchtweg wählen würde, auf dem er ihm, seinem Killer, quasi in die Kugel laufen würde?

Die Bewertung

4 von 10 Punkten. Alles, was sich im klassischen Whodunit-Terrain abspielt, ist konventionell bis unterhaltsam, auch der optische Schnickschnack lässt sich anschauen. Wäre da nur nicht dieser unaushaltbare Managertyp.

Quelle: n-tv.de

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