Praxistest

Sieben kommen über alle Wege Skoda Kodiaq - sanfter Riese ohne Allüren

Von Holger Preiss

Mit 4,70 Meter ist der Skoda Kodiaq ein echtes Trumm, das gerne in der Oberklasse verortet werden darf.

Mit 4,70 Meter ist der Skoda Kodiaq ein echtes Trumm, das gerne in der Oberklasse verortet werden darf.

(Foto: Holger Preiss)

SUV mit einer Länge von 4,70 Meter sind im Kompaktsegment selten zu finden. Wen wundert es also, dass beim Skoda Kodiaq die Latte hoch gelegt und der Vergleich zur Premiumkonkurrenz gezogen wird. Aber kann der tschechische Bär bestehen?

Dass der Skoda Kodiaq für einiges Aufsehen sorgen würde, war klar. Dass das dicke tschechische Bärchen aber gleich die Premiummarken angehen würde, war so nicht abzusehen. Oder doch? Schließlich hat der Superb schon Ähnliches geschafft. Allerdings setzt der Kodiaq hier noch einen drauf, denn größentechnisch battlet sich das 4,70 Meter lange SUV mit einem VW Touareg, Mercedes GLE, Audi Q5, BMW X5 oder - dem mit 4,95 Meter Größten im Bunde - einem Volvo XC90.

Mit 46.000 Euro ist der Kodiaq immer noch ein Schnäppchen.

Mit 46.000 Euro ist der Kodiaq immer noch ein Schnäppchen.

(Foto: Holger Preiss)

Riese für sieben

Um diesen Kampf aufnehmen zu können, haben die Tschechen einiges in ihr Bärchen gepackt. Am Auffälligsten ist da gar nicht mal das üppige Platzangebot. Das ist, wenn man Octavia und Superb kennt, bereits vorausgesetzt und bei einem Radstand von 2,80 Meter auch nicht anders zu erwarten. In der zweiten Reihe geht es, wenn Kinder sie bevölkern, zu wie auf dem Schulhof, nur eben bequemer. Wer allerdings die optional angebotene dritte Sitzreihe, die weiteren zwei Menschen Platz bietet, für zusätzliche 750 Euro ordert, muss sich einschränken.

Um es klar zu sagen: Auf den zwei Plätzen im Kofferraum können auch kleinere Erwachsene sitzen. Für die Reisenden in der zweiten Reihe wird es dann aber deutlich enger. Kinder hingegen haben auf den Sitzen gut Platz, bemängeln aber den der Position des Gestühls geschuldeten hohen Anstellwinkel der Beine. Lange Reisen dürften also spätestens für Kinder ab zehn beschwerlich werden. Das ist aber ohnehin eher ausgeschlossen, denn das Volumen des Kofferraums schwindet bei voller Bestuhlung von 650 Liter auf 270 Liter. Eine Staufläche also, die kaum das Gepäck von vier Passagieren fasst, geschweige denn von sieben.

Ist die dritte Sitzreihe aufgerichtet, wird es selbst im Kofferraum des Skoda Kodiaq eng.

Ist die dritte Sitzreihe aufgerichtet, wird es selbst im Kofferraum des Skoda Kodiaq eng.

(Foto: Holger Preiss)

Das lohnt sich

Was hingegen lange Fahrten geradezu zum Vergnügen macht, ist das adaptive Fahrwerk DCC, das Skoda für zusätzliche 950 Euro anbietet. Eine Investition, die sich lohnt, wie auch der 2.0 Liter-Vierzylinder-Diesel mit 190 PS. Der stärkste Selbstzünder im Programm passt ganz hervorragend zu dem Kodiaq, verbrauchte der Skoda doch im Praxistest im Drittelmix nur 7,2 Liter über 100 Kilometer. Und das bei verstärktem Einsatz im Stadtverkehr. Das ist eine Ansage, natürlich auch mit Blick auf die potente Premiumkonkurrenz. Die hat leistungsmäßig natürlich etwas mehr zu bieten, allen voran der Volvo XC 90 mit möglichen 235 PS. Allerdings läuft hier auch mehr Sprit durch die Schläuche.

Verstecken muss sich der Kodiaq deswegen nicht. Dank der 7-Gang-Automatik - die die 400 Newtonmeter nicht in allen Situationen so sanft an alle vier Räder weiterreicht wie zum Beispiel eine Wandlerautomatik im GLE - beschleunigt der knapp zwei Tonnen schwere Bär in knapp neun Sekunden auf Tempo 100. Wer den Fuß auf dem Gas lässt, hat auch kein Problem die Marke von 210 km/h zu knacken. Natürlich ist es auch möglich die Gänge über die Paddles am Lenkrad einzuklinken. Allerdings muss der Fahrer hier sehr lange Finger haben, denn die Schalter sind so klein, dass es ohne Verrenkungen kaum möglich ist, sie zu erreichen.

Klare Strukturen, Platz ohne Ende und eine exzellente Bedienbarkeit zeichnen den Skoda Kodiaq aus.

Klare Strukturen, Platz ohne Ende und eine exzellente Bedienbarkeit zeichnen den Skoda Kodiaq aus.

(Foto: Holger Preiss)

Mit Navi über Stock und Stein

Letztlich ist ein Tempo über 200 km/h völlig ausreichend für ein SUV dieser Größenordnung und mit dem Gewicht. Wer es sportlich mag, kann über das DCC auch einen entsprechenden Fahrmodus wählen, am angenehmsten erwies sich aber Comfort. So eingestellt, federt der Kodiaq so sanft aus, dass es sogar zur Lust wird über Kopfsteinpflaster zu fahren. Ein Straßenbelag, den die wenigsten Offroader so gekonnt wegbügeln. Selbst unwirtliche Waldwege mit aufragenden Wurzelwerk und tiefen, vom Regen ausgespülten Löchern konnten dem Federwerk keinen Ungehorsam entlocken.

Stellt sich die Frage, wie der Autor auf solche Abwege gekommen ist. Hier gebührt dem VW-Baukasten ein Lob, denn in ihm verbirgt sich auch die Navigationseinheit. Wer die kauft, hat auch die Option auf das Offroad-Fahrprogramm und das DCC. Was die beiden Dinge mit dem Navi, das je nach Ausstattungslinie zwischen 1000 und 1600 Euro kostet, zu tun haben, erschließt sich nicht ganz. Aber an dieser Stelle sei eine absolute Empfehlung für alle drei Optionen, als auch für den Allradantrieb ausgesprochen. Doch zurück zu den Abwegen. Das Navigationssystem verfügt über die Möglichkeit, manuell die Länge eines kommenden Staus einzugeben, um dann eine Alternativroute angeboten zu bekommen.

Genau diese Funktion nutzte der Autor und wurde vom elektronischen Navigator zielsicher durch märkische Wälder geführt. Zeitersparnis zwei Stunden. Allerdings muss deutlich angemerkt werden, dass die gewählten Pfade für einen normalen Kompaktwagen nur schwer zu bewältigen gewesen wären. Der Kodiaq hingegen zeigte hier nicht den Ansatz einer Schwäche, sondern arbeitete sich souverän durch Wald und Flur. Wobei nicht immer mit Sicherheit gesagt werden konnte, ob die Wege überhaupt noch zum öffentlichen Straßennetz gehörten. Bewusst wird einem auf diesen Pisten aber auch, dass man auf dem Kodiaq-Gestühl getrost einige Hundert Kilometer ohne Probleme abreißen kann.

Die neue Bedieneinheit in der Mittelkonsole des Skoda Kodiaq hat noch nicht einmal der VW Tiguan.

Die neue Bedieneinheit in der Mittelkonsole des Skoda Kodiaq hat noch nicht einmal der VW Tiguan.

(Foto: Holger Preiss)

Ist der Kodiaq teuer?

An dieser Stelle soll nicht unerwähnt bleiben, dass das dynamische Navi den bezeichnenden Namen Columbus trägt und in Kombination mit einem 8 Zoll großen kapazitiven Klarglas-TFT, dessen Bedientasten im Display integriert sind, WLAN-Hotspot mit LTE, Gepäcknetz, LED-Heckleuchten, induktive Ladestation, elektrische Heckklappe mit Fußwedelöffnung, Freisprecheinrichtung und Tablet-Halterung bis zu 2990 Euro kostet. Damit sind wir an einem empfindlichen Punkt angekommen, dem des Geldes.

So preiswert der Testwagen mit knapp 47.000 Euro gegenüber der Premiumkonkurrenz scheint, so teuer ist er mit Blick auf die Segmentbrüder. Selbst ein VW Tiguan ist mit den entsprechenden Ausstattungspaketen etwas preiswerter als ein Kodiaq. Dafür bekommt man den Wolfsburger momentan auch noch nicht in der Größe und zum Beispiel auch nicht mit dem eben erwähnten großen TFT in der Mittelkonsole. Vergleicht man den Tschechen aber wieder mit den Premiummitbewerbern, ist er fast 20.000 Euro billiger. Wer also die Rechnung aufmacht, sollte sich nicht nur für ein gutes Gewissen an den Großen orientieren.

Bei diesem Kofferraum muss keiner Angst haben, dass nichts hinein passt.

Bei diesem Kofferraum muss keiner Angst haben, dass nichts hinein passt.

(Foto: Holger Preiss)

Immer etwas mehr

Denn selbst die bieten die Simply-Clever-Lösungen eines Kodiaq nicht. Da sind die bekannten Dinge wie der Eiskratzer im Tankdeckel, die Taschenlampe im Kofferraum und natürlich die zwei Regenschirme in den vorderen Türen. Hinzu kommen Türkantenschoner, die beim Öffnen ausklappen und beim Anschlagen vor bösen Lackschäden schützen. Allerdings stammt diese Erfindung nicht von Skoda, sondern von Ford. Die US-Amerikaner hatten diese Idee erstmals beim Mondeo. Doch wie dem auch sei: Andere Hersteller bieten diese Kleinigkeit nicht und insofern stellt sie auch beim Kodiaq einen Mehrwert dar. Genau wie die Flaschenhalter in den Türen, das zweite Handschuhfach sowie USB-Anschluss und 12 Volt Steckdose für die zweite und dritte Reihe.

Genau wie der Umstand, dass die Mikrofone die Gespräche der erste Reihe über die Lautsprecher nach hinten übertragen. Kinder werden also nie wieder greinen, dass sie nicht verstünden, was die Erwachsenen sich dort vorne wohl zu erzählen hätten. Wer dennoch geheime Botschaften zu vermelden hat, stellt die Anlage einfach aus. Dann sind auch die Mikrofone deaktiviert. Eine gleichwertige Einrichtung ist dem Autor bis dato nur aus der V-Klasse von Mercedes bekannt.

Der größte Diesel aus dem VW-Baukasten erweist sich auch im Kodiaq als gute Wahl. Mit einem Durchschnittsverbrauch von 7,3 Litern zeigt sich der Riese sehr genügsam.

Der größte Diesel aus dem VW-Baukasten erweist sich auch im Kodiaq als gute Wahl. Mit einem Durchschnittsverbrauch von 7,3 Litern zeigt sich der Riese sehr genügsam.

(Foto: Holger Preiss)

Und weil wir gerade im Premiumvergleich sind, soll an dieser Stelle noch ein Blick auf die üppigen Assistenzsysteme geworfen werden. Hier ist eigentlich alles da, was auch die Platzhirsche bieten. Da reicht das Angebot vom Parkassistent mit 360 Grad-Sicht, der nicht nur ein- sondern auch selbständig ausparken kann - über den adaptiven Spurhalte- und Abstandsassistent bis hin zum Staupilot.

Aber Achtung! Das System funktioniert auf gerader Strecke ganz hervorragend. Wehe aber es zieht ein Auto diagonal in die Spur. Dann sollte der Fahrer ganz schnell den Fuß auf der Bremse haben, sonst kracht's. Der Winkel des Radars reicht hier leider nicht aus und die seitlichen Sensoren sprachen jedenfalls im Test nicht an. Das ist aber kein wirklicher Kritikpunkt, denn niemand hat behauptet der Kodiaq würde autonom fahren. Die Assistenten sind zur Unterstützung des Fahrers da, nicht um ihn zu ersetzen. Noch nicht. Hilfreich sind sie allemal.

Fazit: Trotz des scheinbar hohen Preises ist der Kodiaq als wirklich riesiges SUV gerade mit Blick auf die Premiummarken eine echte Alternative. Fakt ist aber auch, dass 4,70 Meter schon eine Ansage im Straßenverkehr sind. Allerdings wird, wer sich an die Maße gewöhnt hat, auch den tschechischen Bären behände wie einen Golf steuern. Zudem kann er für Ein- und Ausparkmanöver immer noch die Assistenten zu Hilfe bitten. Und ein nicht zu unterschätzender Umstand ist, dass man mit dem Kodiaq zwar nicht den Mount Everest erklimmt, aber Wege befahren kann, die für andere Autos tabu sind.

DATENBLATTSkoda Kodiaq Style 2.0 TDI 190 PS 7-DSG4x4
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,70 / 1,88 / 1,65 m
Radstand2,79 m
Leergewicht (DIN)1761 kg
Sitzplätze5 / 7
Ladevolumen650-835 / 2065 Liter
MotorVierzylinder-Diesel mit 1968 ccm Hubraum
Getriebe7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Systemleistung140 kW / 190 PS
KraftstoffartDiesel
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit210 km/h
Tankvolumen60 Liter
max. Drehmoment400 Nm / bei 1900 - 3300 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h8,6 Sekunden
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)5,3 / 6,6 / 5,7 l
Testverbrauch7,3 l
EffizienzklasseB / EU6
Grundpreis39.440 Euro
Preis des Testwagens47.280 Euro

Quelle: n-tv.de


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