Praxistest

Boulevard-Offroader im Praxistest Jaguar F-Pace - teure Katze mit Kurvendrang

Von Holger Preiss

Als R-Sport sieht der F-Pace noch einen Zacken knackiger aus.

Als R-Sport sieht der F-Pace noch einen Zacken knackiger aus.

(Foto: Holger Preiss)

Selbst eine Marke wie Jaguar kann sich dem SUV-Trend nicht entziehen und bringt mit dem F-Pace einen extrem schicken Boulevard-Offroader ins Programm. Der fährt souverän gegen die deutsche Konkurrenz, verlangt dem Fahrer dafür aber einiges ab.

Jaguar ist wieder in aller Munde und die neuen Modelle der Briten stechen ins Auge. So auch das erste SUV der Marke, der F-Pace. Im Verbund mit Land Rover wurden der Wildkatze Gene verpflanzt, die bei Bedarf auch den Gang ins Grobe möglich machen. In Grenzen, versteht sich, denn nach wie vor steht Jaguar vor allem für Sportlichkeit. Und sportlich ist der F-Pace in jedem Fall, noch mehr, wenn er wie der Testwagen als R-Sport vorfährt. Für die Optik heißt das: spezielle Frontstoßfänger und eine extra Heckschürze. Auch die Türverkleidung bekommt ein spezielles Design und eine schwarze Zierleiste. Die seitlichen Luftauslässe sind in mattem Chrom gehalten und in der Mitte prangt das R-Sport-Embleme. In den mattschwarzen 19-Zöllern strahlen Bremssättel in Silber. Wer hier noch aufrüsten möchte, greift für zusätzlich 673 Euro zum R-Sport Black-Pack. Dann strahlt der Kühlergrill in glänzend Schwarz, ebenso die Scheibenrahmen und die Zierleisten.

Die schmalen Leuchten lassen das Heck des 4,73 Meter langen F-Pace noch wuchtiger erscheinen.

Die schmalen Leuchten lassen das Heck des 4,73 Meter langen F-Pace noch wuchtiger erscheinen.

(Foto: Holger Preiss)

Mehr Schein als Sein?

So gerüstet, nimmt man dem Jaguar in jedem Fall ab, dass er zu den sportlichsten SUV gehört, die es derzeit auf dem Markt gibt. Aber Vorsicht! Sie kennen das Problem von Schein und Sein? Unter der Haube des Testwagens arbeitet nämlich der 2.0 Liter Vierzylinder Diesel mit 180 PS, die kleinste verfügbare Motorisierung für den F-Pace, die dem Jaguar das Kürzel 20d an den Bürzel heftet. Nicht missverstehen: Der Diesel ist kein schlechtes Triebwerk für das knapp 1,8 Tonnen schwere SUV. Im Sportmodus schiebt er den 4,73 Meter langen Jaguar in 8,7 Sekunden auf Landstraßentempo und mit festen Druck auf den Pin geht es weiter bis Tempo 208.

Aber genau das ist der Punkt, wo der ambitionierte Pilot die Sportlichkeit vermisst. Der Diesel mag es gar nicht, wenn das Gaspedal spontan Richtung Bodenblech bewegt wird. Dann dreht das Aggregat zwar spontan hoch, wirkt aber für den Moment, in dem das Turboloch gefüllt wird, tonal unangenehm angestrengt. Wer hier mit sanftem Fuß arbeitet, hat mehr von der Kraftentfaltung, denn eigentlich liegen die 430 Newtonmeter Drehmoment bereits zwischen 1750 und 2500 Kurbelwellenumdrehungen beim AWD an allen vier Rädern an. Interessant ist, dass sich die Power gefühlt in der Kombination Gangwahlrad auf S und Fahrmodischalter auf Eco am angenehmsten entfaltet. So eingestellt, zieht der F-Pace 20d sehr souverän an und die Achtgang-Automatik von ZF schnurrt die Schaltstufen nur so durch die Gassen. Den Wettkampf an der Ampel sollte man mit dem 2.0 Liter Diesel dennoch vermeiden.

Mit 180 PS ist der Zweiliter-Diesel nicht wirklich das, was man unter einem Sportaggregat versteht.

Mit 180 PS ist der Zweiliter-Diesel nicht wirklich das, was man unter einem Sportaggregat versteht.

(Foto: Holger Preiss)

Beherzter Kurvenräuber

Die sportlichen Ambitionen kann man mit dem F-Pace in dieser Konfiguration ganz ausgezeichnet bei beherzten Kurvenfahrten ausleben. Die elektromechanische Lenkung ist so wunderbar direkt, dass es im Zusammenspiel mit dem doch recht straff abgestimmten Fahrwerk wirklich Spaß macht, ums Eck zu fegen. Beim Überlaufen von Querfugen mag es dem einen oder anderen zu hart sein, aber für zackige Lastwechsel ist es genau richtig. Ohne große Seitenneigung - trotz des Panoramadachs für zusätzlich 1224 Euro, das den Schwerpunkt nach oben verschiebt - bleibt der Jaguar auch in sehr engen Kurven in der Spur.

Natürlich führt vermehrter Leistungsabruf zu vermehrtem Verbrauch. Aber selbst ohne den berühmten Bleifuß ist der kleine Diesel kein Kostverächter. Über die obligaten 1000 Testkilometer schaukelte sich der Verbrauch bei gemäßigter Fahrweise, dem eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 67 km/h zugrunde liegt, um die 8,1 Liter ein, die der Diesel aus dem 60 Liter fassenden Tank saugt. Das ist gemessen an den Datenblattangaben, die von 4,7 bis 6,2 Litern reichen, viel, aber mit Blick auf Allrad und Gewicht des Fahrzeugs ein zu erwartendes Ergebnis. Auch bei der Zuladung gibt sich der F-Pace nicht bescheiden. Dank des 650 Liter fassenden Kofferraums können insgesamt 685 Kilogramm in das SUV gepackt werden. Das erhöht dann aber auch das Gesamtgewicht auf knapp 2,5 Tonnen.

650 Liter Stauraum bietet das Gepäckabteil des F-Pace bei aufgerichteter Rückenlehne.

650 Liter Stauraum bietet das Gepäckabteil des F-Pace bei aufgerichteter Rückenlehne.

Ausstattungs-Monopoly

Darin sind natürlich auch die Passagiere enthalten. Die strecken sich bei reichlich Platz und Zuzahlung von 2040 Euro auf Sitzen mit perforiertem Taurus-Leder, blicken für 260 Euro auf geprägte Aluminium-Paneele, stellen ihre Kaffeebecher in zwei Cupholder mit Abdeckung, entscheiden, welche der zehn Farben das Ambientelicht haben soll, betten ihre Füße auf "Premium"-Fußmatten, auf den Edelstahleinstiegsleisten strahlt der beleuchtete Jaguar-Schriftzug und die Dachverkleidung ist mit "Premium"-Velour ausgeschlagen. Dieses Komfortpaket lassen sich die Briten mit satten 2550 Euro bezahlen. Bereits bei dieser Aufzählung wird deutlich, dass der Einstiegspreis für den F-Pace R-Sport von 54.750 Euro nicht mal im Ansatz zu halten ist.

Wer sich zum Beispiel für die nützlichen Extras wie den schlüssellosen Zugang und den Activity Key entscheidet – ein Armband, das bei Aktivitäten jeder Art getragen wird und den Fahrzeugschlüssel ersetzt - zahlt weitere 1000 Euro. Das "InControl Touch Pro Paket" schlägt mit 2657 Euro zu Buche, bringt aber auch einen flächenfüllenden Touchscreen in die Mittelkonsole. Der ist dann aber noch nicht mit dem Internet verbunden. Dafür und entsprechende Apps benötigt man das "InControl Connect Pro Pack" für 1071 Euro. Das macht dieses Kleinod dann für drei Jahre zum Wi-Fi-Hotspot und sorgt auch für die Echtzeitangaben im Navi. Was im Übrigen ausgezeichnet funktioniert. Macht der Kunde dann noch bei zeitgemäßen Assistenzsystemen wie Einparkassistent, Rückfahrkamera, Geschwindigkeitsregelanlage mit Stauassistent und der elektrische Heckklappe sein Kreuz in der Optionsliste, müssen auf den Einstiegspreis weitere 5304 Euro aufgeschlagen werden. Kurz und gut, beim Testwagen belief sich die Summe der ausgewählten Optionen am Ende auf 23.192 Euro. Für dieses Geld kaufen sich andere Leute einen guten Kompaktwagen.

Die Sitze im F-Pace R-Sport sind straff abgestimmt und bieten ausgezeichneten Seitenhalt.

Die Sitze im F-Pace R-Sport sind straff abgestimmt und bieten ausgezeichneten Seitenhalt.

(Foto: Holger Preiss)

Der Entspannungsfaktor

Jetzt aber Schluss mit dem Ausstattungs-Monopoly. Jaguar ist Premium und auch die anderen Hersteller dieser Couleur lassen sich ihre Sonderausstattungen fürstlich bezahlen. Werfen wir lieber noch einen Blick auf die Funktionsweise der einzelnen Komponenten. Problemlos gelingt – und das ist nicht bei allen Herstellern so – die Kopplung zwischen Smartphone und Auto. WLAN für alle heißt es hier, Musik vom Streaming-Dienst, aus der eigenen Mediathek oder von der internen 10-GB-Festplatte knallt aus den 380 Watt leistenden Boxen des Soundsystems von Meridian.

Während der Fahrer also die Musik genießt und sich in seinem gut ausgeformten Sitz zurücklehnt, übernehmen Spurhalteassistent, Abstandsradar und Tempomat die Arbeit und steuern die Offroad-Katze besonnen über die Autobahn oder durch den Stau. Wobei – nur damit keine Missverständnisse entstehen: Die Hände des Fahrers bleiben am Lenkrad und die Augen auf der Straße. Obgleich bis zum Stillstand abgebremst wird und auch das Anfahren mit einem kurzen Antippen des Gaspedals erledigt ist.

Mit dem volldigitales Display im F-Pace hat der Fahrer wirklich alles im Blick.

Mit dem volldigitales Display im F-Pace hat der Fahrer wirklich alles im Blick.

(Foto: Holger Preiss)

Die häufig genutzten Systeme arbeiten jedenfalls während des Testbetriebes einwandfrei und entspannen den Fahrer ungemein. Auch der Parkassistent funktioniert ganz famos. Allerdings geben sich die Sensoren bei der Vermessung der Parklücken so vorsichtig, dass hier ab und an selbst Hand angelegt wird, um das zugegeben nicht gerade kleinwüchsige SUV in Position zu bringen. Auch hier geht das Handling absolut in Ordnung und der Wendekreis von 11,9 Metern macht sich nicht wirklich störend bemerkbar.

Fazit: Mit Blick auf Verarbeitung und Ausstattung kann sich der F-Pace problemlos neben einen Mercedes GLC, BMW X3 oder einen Audi Q5 stellen und ist dabei fast zehn Zentimeter länger als die Konkurrenz. Der Jaguar F-Pace überragt die Mitbewerber bei ähnlicher Ausstattung aber auch deutlich im Preis. Hier muss man schon ein Liebhaber der Katze im Sprung sein, um knapp 10.000 Euro mehr über die Theke zu schieben, die unter dem Strich auf der Rechnung stehen. Allerdings bewahrt sich der Brite dadurch auch etwas sehr Individuelles und der Käufer muss nicht befürchten, an jeder Ecke einem Serienbruder über den Weg zu fahren.

DATENBLATTJaguar F-Pace R-Sport 20d
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,73/ 2,07/ 1,65 m
Radstand2,87 m
Leergewicht (DIN)1775 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen650 Liter
MotorVierzylinder-Turbodiesel mit 1999 ccm Hubraum
Getriebe8-Gang-Automatikgetriebe
Systemleistung132 kW / 180 PS
KraftstoffartDiesel
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit208 km/h
Tankvolumen60 Liter
max. Drehmoment430 Nm / bei 1750 - 2500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h8,7 Sekunden
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)4,7 / 6,2 / 5,3 l
Testverbrauch8,1 l
EmissionsklasseEU6
Grundpreis54.750 Euro
Preis des Testwagens77.942 Euro

Quelle: n-tv.de


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