Praxistest

Manchmal ist mehr eben doch mehr Hyundai Santa Fe - nur ein Möchtegern?

Schick sieht er schon aus der Hyundai Santa Fe. Aber Optik ist nur die halbe Miete.

Schick sieht er schon aus der Hyundai Santa Fe. Aber Optik ist nur die halbe Miete.

(Foto: Holger Preiss)

Groß und mächtig in der Anmutung, mit einem wirklich guten Diesel bestückt, ermangelt es dem Hyundai Santa Fe inzwischen an anderen Dingen. Kleinigkeiten, möchte man glauben. Im Praxistest von n-tv.de führen die aber am Ende zu einem erstaunlichen Urteil.

Der Hyundai Santa Fe, der hierzulande eine Zeitlang als ix55 fuhr, ist im Portfolio des koreanischen Autobauers das Flaggschiff unter den SUV. In der "normalen" Ausführung - in der der Korea-Kraxler bei n-tv.de zum Test vorfuhr - misst er 4,70 Meter. Wer mehr will, muss den Gran Sant Fe ordern. Der streckt sich auf 4,93 Meter und ist dann schon eine richtige Wuchtbrumme, die auch gerne mit sieben Sitzen bestückt werden kann. Für ein geschmeidiges Vorankommen in der Stadt sind die fünf Meter aber nichts. Hier sammelt die Kurzversion die ersten Pluspunkte. Die glänzt nämlich mit einem ausgesprochen angenehmen Handling. Mit Hilfe der Sensoren an Front und Heck, einer Rückfahrkamera und einer leichtgängigen Lenkung lässt sich der Santa Fe auch in sehr kleine Parklücken manövrieren.

Die elektrisch aufschwingende Heckklappe ist auch eine Zutat, die der Testwagen nicht hatte.

Die elektrisch aufschwingende Heckklappe ist auch eine Zutat, die der Testwagen nicht hatte.

(Foto: Holger Preiss)

Alles in Grenzen

Allerdings funktioniert das nach alter Manier in Verantwortung des Fahrers, denn einen Parkassistenten, der die Stellfläche vermisst und dann eigenverantwortlich das SUV einschiebt, gibt es für den Santa Fe in der Style-Ausstattung nicht. Erst in der Topvariante steht das für zusätzlich 1300 Euro in der Optionsliste. Auch die Rückfahrkamera hat ihre Grenzen. Bei Dunkelheit übermittelt sie ein Bild auf den großen Touchscreen in der Mittelkonsole, das den Titel "Schneesturm im Eisenbahntunnel" verdient. Hier sollte man sich eher auf den automatisch abblendenden Rückspiegel und die elektrisch anklappenden Außenspiegel verlassen.

Seit 2012 blieb das Cockpit des Hyundai Santa Fe fast unverändert.

Seit 2012 blieb das Cockpit des Hyundai Santa Fe fast unverändert.

(Foto: Holger Preiss)

Wenn der Santa Fe dann so dasteht, muss man ihm allerdings schon einen gewissen Schick attestieren. Der neue Federstrich ist dem 2015 durchgeführtem Facelift geschuldet. Nicht dass sich das SUV völlig verändert hätte, aber der Kühlergrill ist geschärft, die Nebelscheinwerfer zieren Chromspangen und am Heck strahlen LED-Leuchten. Auch der angedeutete Unterfahrschutz darf nicht fehlen, denn Hyundai nimmt es beim Santa Fe in der Ausstattung Style mit dem Offroad-Gedanken recht ernst. So wurde dem SUV nicht nur eine Bergan- und -abfahrhilfe gegeben, sondern auch eine starre Kraftverteilung im Verhältnis 50:50 an die Achsen gegeben, was sich bei größeren Unebenheiten im Gelände zuschalten lässt. Letztlich macht das den Santa Fe aber nicht zu einem Meister des Groben. Das verbieten auch die 1- Zoll-Leichtmetallräder und ein kaum vorhandener Böschungswinkel. Insofern bleibt der Knopf wohl eher eine Option für Schnee und Eis.

Der Diesel ist vom Feinsten

Eine wirklich positive Überraschung war der 2,2 Liter Vierzylinder Diesel, der den Santa Fe im wahrsten Sinne des Wortes beflügelt. Nach seiner Überarbeitung geht der Selbstzünder jetzt mit 200 PS zu Werke und verteilt über eine leichtgängige, manuelle Sechsgangschaltung 440 Newtonmeter an alle vier Räder. Viel erfreulicher ist aber, dass die Kraftverteilung ausgesprochen gleichmäßig und tatsächlich ohne spürbares Turboloch vonstattengeht. Gleich, ob der Fahrer den Pin spontan oder verhalten Richtung Bodenblech bewegt. Diese Art des Ansprechverhaltens wirft auch bei Überholmanövern aus den unteren Drehzahlen keine Fragen auf.

Der überarbeitete 2.2 Liter Diesel macht richtig Freude.

Der überarbeitete 2.2 Liter Diesel macht richtig Freude.

(Foto: Holger Preiss)

Der Sprint auf Tempo 100 ist - gesteuert über den sauber und leicht zu führenden Sechsganghandschalter - in 9,0 Sekunden erledigt und auch die Spitzengeschwindigkeit von 203 km/h erreicht der 1,8 Tonnen schwere Koreaner problemlos. Beim Verbrauch gibt er sich mit 8,1 Liter über 100 Kilometer nicht bescheiden, ist aber auch nicht übermäßig durstig. Selbst dann, wenn der 534 Liter fassende Kofferraum ordentlich gefüllt ist. Der lässt sich bei umgelegter Rückbank sogar auf 1680 Liter erweitern. Sehr zu loben ist an dieser Stelle auch das Fahrwerk. Die Abstimmung lässt Unebenheiten in Federn und Stoßdämpfern verschwinden und schluckt sogar gemeine Querfugen. Mehr Direktheit wünscht sich der Fahrer mit dynamischen Ambitionen hingegen von der Lenkung. Hier bietet sich bei der Wahl der zwei angebotenen Modi Sport an. Das strafft die Lenkung, könnte aber bei flotter Kurvenfahrt noch einen Tick gefühlvoller sein.

Verflixte Rechenaufgaben

Bis dahin erfüllt der Santa Fe alle Ansprüche an ein gutes, komfortables SUV. Selbst beim ersten Blick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis scheint der Hyundai sich vor die Konkurrenz zu spielen. Jedenfalls solange, wie man ihn in der Klasse der im D-Segment fahrenden Mitbewerber lässt. Setzt man ihn aber ins Verhältnis zu einem VW Tiguan oder gar eines kommenden Skoda Kodiaq, wird es schwierig für den Koreaner. Der Wolfsburger ist nämlich lediglich 20 Zentimeter kürzer, bietet aber die komplette Armada an adaptiven Assistenzsystemen für 1000 Euro weniger.

Die Lederpolster im Santa Fe haben einen guten Zuschnitt und vermitteln das Gefühl von Langlebigkeit.

Die Lederpolster im Santa Fe haben einen guten Zuschnitt und vermitteln das Gefühl von Langlebigkeit.

(Foto: Holger Preiss)

Lassen Sie uns an dieser Stelle ein Rechenexempel starten. Der Santa Fe kostet in der höchsten Ausstattung "Premium" und mit fünf Sitzplätzen 48.200 Euro. Der Tiguan bringt es in der Ausstattungslinie Comfortline auf 46.710 Euro und hat neben einem Digitaldisplay hinter dem Lenkrad die schon erwähnten adaptiven Assistenten, die die Spur halten, automatisch den Abstand zum Vordermann beachten und in Notsituationen bis zum Stillstand abbremsen. Hinzu kommt der Einpark- und der Stauassistent, ein Automatikgetriebe und ein 190 PS leistender Diesel.

Ebenfalls an Bord: die kleinen Annehmlichkeiten, die lange Autofahrten ebenfalls erträglicher machen. Dazu gehört eine vernünftige Sound-Anlage und eine funktionierende Freisprecheinrichtung. Sie ahnen es schon: Beides hatte im Testwagen so seine Tücken. Telefonate wurden ob der schlechten Übertragung an die andere Seite von dort genervt abgebrochen und die Standardmusikanlage erzeugte einen Soundbrei, der auf Dauer eher nervte als unterhielt. Keine Frage. Mit dem in höheren Ausstattungslinien angebotenen Infinity-Soundsystem dürfte sich dieses Kritik erledigt haben, aber die zusätzlichen Kosten treiben den Preis.

Preisgestaltung bringt den Santa Fe ins Wanken

Keine Frage, Hyundai muss bei der Preisgestaltung inzwischen aufpassen, dass sie nicht übertreiben. Die Fahrzeuge der Koreaner sind gut und natürlich keine Billigheimer mehr. Aber dennoch gibt es feine Unterschiede zur etablierten Konkurrenz. Das sind ganz bestimmt keine mit Blick auf die Verarbeitung, die ist auch bei Hyundai inzwischen Spitzenklasse. Nicht so die Verwendung der Materialien.

Die Idee, den doppelten Ladeboden mit einem Klappdeckel zu teilen ist nicht schlecht, aber ziemlich unpraktisch.

Die Idee, den doppelten Ladeboden mit einem Klappdeckel zu teilen ist nicht schlecht, aber ziemlich unpraktisch.

(Foto: Holger Preiss)

Nein, man findet keine Plastikwüste mehr und die großen Flächen sind weich aufgeschäumt und bieten eine angenehme Haptik. Aber dort, die Finger nicht pausenlos wühlen, wo das Auge sich nicht auf den ersten Blick verliert, da sieht man das Sparprogramm. Und das ist nicht verwerflich, sondern im Gegenteil legitim. Nur müssen sich diese Abstriche für den Kunden irgendwo widerspiegeln. Und wo? Natürlich im Preis. Wenn der sich jenseits zwischen Gut und Böse ansiedelt, dann ist der Käufer schnell versucht, sich bei den Mitbewerbern umzuschauen. Bekommt er dann noch mehr fürs Geld, ist die Wahl schnell getroffen.

Fazit: Der Hyundai Santa Fe ist ein ausgesprochen schicker Zeitgenosse und vor vier Jahren hatte er das Zeug, gegen die Großen anzufahren. Inzwischen glänzt er mit einem ausgezeichneten Dieseltriebwerk, einen guten Fahrwerk und einem großzügigen Raumangebot. Leider kann er diesen Bonus bei den nötigen Zugaben, die es braucht, um mit der Konkurrenz Schritt zu halten, preislich nicht puffern. Viel zu teuer wirkt das koreanische SUV mit den vielen deutschen Tugenden am Ende.

DATENBLATTHyundai Santa Fe 2.2 CRDI AWD Style
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,70/ 1,88/ 1,68 m
Radstand2,70 m
Leergewicht (DIN)1816-1977 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen534 / 1680 Liter
MotorVierzylinder-Diesel mit 2199 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang-Handschaltung
Systemleistung147 kW / 200 PS
KraftstoffartDiesel
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit203 km/h
Tankvolumen47 Liter
max. Drehmoment440 Nm bei 1750-2750 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h9,0 Sekunden
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)5,3 / 7,1 / 6,0 l
Testverbrauch8,1 l
EffizienzklasseB / EU6
Grundpreis41.800 Euro
Preis des Testwagens43.950 Euro

Quelle: n-tv.de