Praxistest

Skodas Großer unter den Kleinen Fabia Combi - Raum weit über seiner Klasse

Von Holger Preiss

Aus der richtigen Perspektive wirkt der Skoda Fabia Combi fast wie ein Octavia.

Aus der richtigen Perspektive wirkt der Skoda Fabia Combi fast wie ein Octavia.

(Foto: Holger Preiss)

Kleinwagen sollen immer mehr die Wünsche eines Publikums erfüllen, die sich sonst im Reich der Kompakten tummeln. Und weil das so ist, legt der Skoda Fabia Combi noch eine Schippe drauf. Aber reicht das für alle alltäglichen Belange?

Der Name Fabia war in Ägypten sehr populär. Vor allem Königinnen wurden damit bedacht. Beim Skoda Fabia wird der königliche Gedanke bei der Namensgebung wohl nicht im Vordergrund gestanden haben, denn seit seiner Einführung im Jahr 1999 steht der Fabia für die preiswerte Alternative, ein Auto zu fahren, das die Gene des Polo hat, aber bei Weitem nicht so teuer ist. Seine absolute Hochzeit hatte er im Jahr der Abwrackprämie. 2009 verkaufte sich der Fabia - vor allem in Osten Deutschlands - wie geschnitten Brot. Knapp 105.000 Fahrzeuge wurden seinerzeit abgesetzt.

Mehr als die Designer-Kombis

Inzwischen haben sich die Absatzzahlen um die 45.000 Stück im Jahr eingependelt. Das liegt natürlich auch daran, dass im Vergleich mit dem Konzernbrude, der Preis gar nicht mehr so weit vom Polo entfernt ist. Dennoch hat der Tscheche seine Vorzüge: Im Gegensatz zum Polo gibt es ihn auch als Kombi und mit Chefdesigner Jozef Kaban hat man den Mut aufgebracht, den kleinen Tschechen neu zu zeichnen, ihm den Babyspeck zu nehmen und mit scharfen Linien die Proportionen in Richtung jugendlicher Sportlichkeit zu verändern, ohne sein Vermögen, als mobile Allzweckwaffe zu fungieren, einzuschränken.

So kompakt der kleine Tscheche auch ist, Platz bietet er reichlich.

So kompakt der kleine Tscheche auch ist, Platz bietet er reichlich.

(Foto: Holger Preiss)

Wenn der Fabia also als "Combi" vorfährt, hat er satte 530 Liter Kofferraumvolumen. Wird die Rückbank umgelegt, steigt es gar auf 1375 Liter. Damit übertrifft der Kleinwagen so manchen Mittelklassekombi und im Übrigen fast die gesamte Gilde der Designer-Kombis der Premiumhersteller, also Mercedes C-Klasse, Volvo V60 oder BMW 3er Tourer. Alle drei haben "lediglich" um die 490 Liter Ladevolumen. Dafür gehen diese Jungs natürlich mit anderen Motoren an den Start. Hier muss der Skoda-Freund schon genau überlegen, wie er sich mit seinem Fabia Combi bewegen möchte.

110 PS sind eine gute Wahl

Für den Praxistest fiel die Wahl auf den 110 PS starken Vierzylinder, der in der Nomenklatur als 1,2 TSI zu finden ist. Zugegeben: Mit einem Einstiegspreis von 17.370 Euro läuft der nicht mehr unter "Schnäppchen". Dafür darf sich der Fahrer gewiss sein, dass sein Fabia auch in voller Mannschaftsstärke nicht auf der rechten Spur der Autobahn versauern muss. Der Tscheche hängt nämlich mit 175 Newtonmetern Drehmoment und Turboaufladung erstaunlich gut am Gas. In 9,6 Sekunden sprintet er auf Tempo 100 und kann die Fuhre ohne große Probleme bis an die 190 km/h-Marke beschleunigen. Die Spitze wird von Skoda mit 199 km/h angegeben. Wer hier statt des 1400 Euro teureren 7-Gang-Automatikgetriebes den Handschalter wählt, wird sich über zwei Dinge freuen: die Leichtigkeit, mit der die Gänge durch die Gassen zu führen sind und über die weite Spreizung der Übersetzungen. So lässt sich der Tscheche auch schaltfaul im sechsten Gang fahren, ohne den Piloten durch unangenehme Tonalität oder Leistungsschwäche an das Rührgerät zu zwingen.

Mit 530 Litern Kofferraumvolumen übertrifft der Fabia Combi so manchen Kombi in der Mittelklasse.

Mit 530 Litern Kofferraumvolumen übertrifft der Fabia Combi so manchen Kombi in der Mittelklasse.

(Foto: Holger Preiss)

Natürlich geht es auch anders: Wer möchte, kann das Triebwerk mit flotten Schaltbewegungen und einem festen Druck auf den Pin munter knurren lassen, so dass der Wagen sportlich um die Kurven fliegt. Davon bleibt das Fahrwerk völlig unbeeindruckt. Die Auslegung ist so gewählt, dass der Fabia Combi auch mit Extremsituationen sehr gut umgehen kann. Hinzu kommen die allgegenwärtigen Helfer aus dem Hintergrund wie ESP, die elektronische Stabilitätskontrolle (ESC) und natürlich ABS, die übermütige Eigenreaktionen auf ein Minimum reduzieren. Lediglich Kopfsteinpflaster mag der Combi nicht so sehr. Hier ist er ein wenig hibbelig und gibt die schnell aufeinanderfolgenden Stöße gern an die Insassen weiter.

Der 1,2 Liter TSI mit 110 PS ist eine gute Wahl, um mit dem Fabia Combi flott unterwegs zu sein.

Der 1,2 Liter TSI mit 110 PS ist eine gute Wahl, um mit dem Fabia Combi flott unterwegs zu sein.

(Foto: Holger Preiss)

Wer den 1,2-Liter-Turbo-Benziner normal bewegt, der wird auch mit dem Verbrauch nicht hadern. Im Test zeigte sich der Fabia mit 6,5 Liter im Schnitt jedenfalls anständig genügsam. Die vom Hersteller avisierten 4,8 Liter sind für das reale Leben im Reich der Legenden zu verorten. Wer aber sehr bedacht mit dem Gasfuß umgeht, der wird auch mit unter sechs Litern Benzin seine Etappen zurücklegen und das ist für einen Benziner dieser Leistungsklasse aller Ehren wert.

Viel Platz ohne Konnektivität

Lob verdient sich der Fabia Combi auch bei den Platzverhältnissen. Klar ist immer zu bedenken, dass auch der Kombi ein Kleinwagen ist und der Überschlag der Beine in der zweiten Reihe bei aller Kunstfertigkeit der Faltung nicht funktionieren wird, aber auf kurzen Strecken können sich auch fünf Leute in den Fond quetschen, ohne am Ziel ganz zerknautscht aus dem Wagen zu steigen. Auf großer Fahrt und mit Gepäck sollte die maximale Insassenzahl auf vier beschränkt bleiben. Die können sich dann über die straffen und sehr bequemen Sitze freuen, wobei die Seitenwangen in der ersten Reihe ein wenig mehr Halt bieten könnten. Wer zusätzlich 190 Euro investiert, bekommt diesen Wunsch mit Sportsitzen erfüllt. Auf die Mittelarmlehnen für 225 Euro extra kann im Übrigen getrost verzichtet werden. Erstens ist der Preis happig, zweitens wirkt das Teil spätestens beim Betätigen der mechanischen Handbremse störend.

Das Cockpit ist aufgeräumt und lässt kaum Fragen aufkommen.

Das Cockpit ist aufgeräumt und lässt kaum Fragen aufkommen.

(Foto: Holger Preiss)

Freuen könnte man sich auch über den Mirrorlink im Skoda. Das von Google extra erfundene System, um Inhalte des Smartphones auf dem 6,5 Zoll großen Display zu spiegeln, hat aber einen entscheidenden Fehler: Es funktioniert nur für eine begrenzte Anzahl von Smartphones und es muss sich um eines mit Android-Betriebssystem handeln. Andernfalls bleiben einem die Navigation, Parkplatzsuche und viele andere schöne Feature versagt. Allerdings ist anzunehmen, dass auch für den Fabia in Zukunft das Komplettsystem zur Verfügung steht, in das auch Google Auto und CarPlay von Apple integriert sind. Dann reicht es nämlich, das Smartphone über USB mit dem Wagen zu koppeln und schon stehen einem Dienste wie Google Maps oder Karten unter iOS zur Verfügung.

Zuzahlung für "Simply Clever"

Zusätzlich Geld muss man für die vielen nützlichen Ablagemöglichkeiten aufbringen, die der Fabia auf Wunsch offeriert. Das ist besonders ärgerlich, weil es sich vorrangig um die Dinge handelt, die von Skoda mit dem Claim "Simply clever" beworben werden. Da sind ein zusätzlicher Ladeboden für 140 Euro, ein kleiner Mülleimer für die Innenverkleidung der Tür und ein Smartphone-Halter für die Mittelkonsole. Beides verbirgt sich im Ablagepaket für 55 Euro. Über die Mittelarmlehne für 255 Euro sprachen wir schon. Nicht zusätzlich zu Buche schlagen in der höchsten Ausstattung Style das Brillenfach im Dachhimmel, Start-Stopp-Automatik, höhenverstellbarer Fahrer- und Beifahrersitz, Reifendrucküberwachung und das Drei-Speichen-Multifunktionslenkrad. Letztlich steht aber dennoch eine Summe von knapp 20.000 Euro auf dem Kaufvertrag. Für einen Kleinwagen, auch mit großen Kapazitäten, viel Geld.

Fazit: Der Fabia Combi belegt in seinem Segment eine Ausnahmestellung, denn in der Klasse der Kleinwagen gibt es kaum noch Fahrzeuge mit einem Ladevolumen, das selbst die höhergestellten Kollegen aussticht. Mit denen sollte man dann auch den Preisvergleich wagen, denn mit knapp 20.000 Euro ist der Tscheche kein Schnäppchen mehr. Nach Berechnungen des Experten von Bähr & Forecasts hat der Fabia Combi auch noch nach vier Jahren 49 Prozent seines Neuwertes. Das sind immerhin 1,5 Prozent mehr als für einen Renault Clio Grandtour TCE. Dafür bedient sich der Tscheche natürlich der VW-Technik und der Triebwerke aus dem Mutterhaus. Auch bei der Qualität aus Mlada Boleslav kann nicht gemäkelt werden. Wer also ein Auto für alle Facetten des Alltags sucht, das weder optisch noch technisch zu den Eintagsfliegen gehört, ist mit dem Fabia Combi gut bedient.

DATENBLATTSkoda Fabia Combi 1.2 TSI Style
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,26 / 1,73 / 1,47 m
Leergewicht (DIN)1153 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen530 - 1395 Liter
MotorReihen-Vierzylinder mit Turboaufladung, 1197 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang-Handschalter
Systemleistung81 kW/ 110 PS
KraftstoffartBenzin
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit199 km/h
max. Drehmoment175 Nm bei 1400 - 4000 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h9,6 s
Normverbrauch kombiniert (Stadt, Land, kombiniert) je 100 km4,8 / 4,1 / 6,1 l
Testverbrauch6,5 l
Tankinhalt45 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
110 g/km
EmissionsklasseEU 6
Grundpreis18.470 Euro
Preis des Testwagens20.080 Euro

Quelle: n-tv.de


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