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Französische Revolution? Was von Opel übrig bleibt

Auf dem Genfer Autosalon verkündeten Peugeot und Opel, in Zukunft gemeinsame Sache zu machen.

Auf dem Genfer Autosalon verkündeten Peugeot und Opel, in Zukunft gemeinsame Sache zu machen.

(Foto: picture alliance / Frank Rumpenh)

Die Übernahme von Opel durch PSA ist unterschrieben und von allen Seiten abgesegnet. Doch welchen Einfluss hat der Zusammenschluss auf die Modell-Strategie der Rüsselsheimer? Dass Modelle auf der Strecke bleiben, scheint unausweichlich. Aber welche?

Neuer Partner, neues Glück? Was im Privatleben oft klappt, kann durchaus auch in der Geschäftswelt funktionieren. Opel-Chef Karl-Thomas Neumann twitterte bereits kurz nach Bekanntwerden der möglichen Übernahme: "Ein Zusammengehen mit PSA ist prinzipiell sinnvoll." Fremd sind sich Rüsselsheim und Paris nicht. Schon länger kooperiert man beim Bau neuer Modelle. Jüngstes Beispiel ist der Opel Crossland X. Dieser teilt sich nicht nur die PSA-Plattform 1 mit dem Citroen C3, Peugeot 208, DS3 und dem Kompakt-SUV Peugeot 2008, sondern auch mit dem in dieser Woche in Genf zu sehenden Citroen C3 Aircross. Mit letzterem läuft auch der Crossland X im spanischen Saragossa vom Band. Unter dem Opel stecken sogar die Motoren von PSA. Französischer kann ein "deutsches" Auto nicht sein.

Der Opel Crossland X ist eigentlich bis auf das Logo ein Peugeot.

Der Opel Crossland X ist eigentlich bis auf das Logo ein Peugeot.

Ebenso findet Opels nächst größerer Crossover, der Grandland X, seinen gallischen Pendant in Form des Peugeot 3008. Beide basieren auf der PSA-EMP2-Architektur. Beide werden im Werk Sochaux produziert, das die Franzosen gerade zu ihrem modernsten Fertigungsstandort umbauen und erweitern. Die Jahreskapazität beziffert PSA auf 400.000Einheiten. Drittes Beispiel: Nächstes Jahr werden die Brüder vom Opel Combo – die Liaison mit Fiat ist beendet – Citroen Berlingo und Peugeot Partner heißen. Alle drei wurden zusammen entwickelt und werden gemeinsam gefertigt, im zweitgrößten PSA-Werk im spanischen Vigo.

Werden Karl und der Mokka die ersten Opfer?

Im Bereich der Spekulation bleibt vorerst die Frage, was mit den anderen Opel-Modellen passiert? Welche bleiben auf der Strecke? Welche laufen zunächst auf GM-Basis weiter? Welche werden in der Entwicklung gestoppt und wechseln zur PSA-Technik? Erstes Opfer dürfte der kleine Karl werden, der sich die Plattform mit dem Chevrolet Spark teilt und in Korea produziert wird. PSA baut bereits Minis mit Toyota im tschechischen Kolin. Die Ablösung des Adam steht für zirka 2020 an, genug Zeit also für PSA zu entscheiden: Auslaufen lassen oder den neuen Adam ins Portfolio eingliedern. Letzteres könnte Probleme mit der Premium-Tochter DS schaffen.

Die Frage ist, ob der Mokka X den Plänen von PSA im Weg steht?

Die Frage ist, ob der Mokka X den Plänen von PSA im Weg steht?

Der Nachfolger des Corsa soll 2019 beim Händler stehen. Damit wäre es für PSA jetzt zu spät, den Wagen noch auf die nagelneue Kompaktwagen-Plattform EMP1 zu stellen. EMP1 werden die nächsten Peugeots 208, 2008 und DS3 bekommen, inklusive ein kleines DS-SUV. Passen würde EMP1 auch bestens für den nächsten Mokka X, falls PSA den Opel-SUV im Programm lässt, denn größenmäßig weicht dieser nur wenig vom Crossland X ab. Wobei diese Entscheidung eine fatale sein könnte. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass der Mokka weniger als der Crossland X den Nerv der Käufer trifft. Denn während der eine ein verplankter Van ist, hat sich der andere zu einem echten SUV mit Allradantrieb und entsprechender Attitüde gemausert.

Wird es noch ein großes SUV von Opel geben?

Ein großes Fragezeichen steht vor dem von Opel angekündigten großen SUV (D-Segment). Dessen Basis bildet eine GM-Plattform, auf der Buick-Derivate stehen. Nur: Peugeot wird in wenigen Wochen mit einem 4,70 Meter langen SUV namens 5008 auf den Markt kommen. Dieser bietet sieben Personen Platz. Ein paralleles Opel-Modell macht da wenig Sinn.

Auch der neue Opel Insignia könnte den Franzosen ein Dorn im Auge sein.

Auch der neue Opel Insignia könnte den Franzosen ein Dorn im Auge sein.

Erst einmal ohne Schrammen dürfte der Astra als Hatch (Steilheck) und Kombi davonkommen. Weniger rosig sieht die Zukunft für den Dreitürer GTC und das Cabrio Cascada aus. Absatzschwache Nischenmodelle wird sich PSA nicht ans Bein binden. Auch der Zafira steht wohl auf der Kippe. Dem Konzern reicht ein MPV für die Familie, und diese Aufgabe könnte bestens Citroen mit dem C4 Picasso übernehmen.

Der Insignia ist schwer zu verdauen

Einen ziemlich schweren Brocken müssen die Franzosen mit dem neuen Insignia schlucken. Man hat plötzlich vier Mittelklasse-Limousinen im Programm. Ende 2018 ersetzt Peugeot seinen jetzigen 508, 2019 folgen der Citroen D5 und die erste Premiumlimousine von DS steht ebenfalls in den Startlöchern. Bleibt der Insignia bestehen, wird er jenes Modell, das am längsten die GM-Historie unterm Blech trägt.

Bei den Nutzfahrzeugen läuft die Kooperation zwischen Opel und Renault/Nissan aus. Vivaro und Movano erhalten dann Schwestermodelle von Peugeot und Citroen. Ein Segment tiefer arbeitet PSA bereits mit Toyota zusammen.

Spannend dürfte auch das Engagement in Sachen Elektroauto werden. Ab 2019 will PSA mit eigenen Stromern auf den Markt kommen, basierend auf der sogenannten CMP-Architektur (Common Modular Platform). Gut möglich, dass man nun auf die Erfahrung aus Rüsselsheim und Detroit setzt und versucht, die Batterietechnik des Bolt/Ampera-e zu integrieren. Schließlich können 500 Kilometer Reichweite im Kompaktsegment für E-Autos eine kaufentscheidende Ansage sein.

Quelle: n-tv.de , sp-x

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