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20 Jahre Mercedes A-Klasse Vom Einzelkind zur Sport-Familie

Fünf Fahrzeuge gehören inzwischen zur Familie der Kompakten bei Mercedes.

Fünf Fahrzeuge gehören inzwischen zur Familie der Kompakten bei Mercedes.

(Foto: Dieter Rebmann)

Die Geschichte der A-Klasse wird immer mit dem legendären Elchtest in Verbindung gebracht. Dass ist aber nur ein Moment der Historie. Inzwischen ist aus dem Einzelkind eine fünfköpfige Sport-Familie geworden, die noch weiter wachsen wird.

In diesem Jahr feiert die Mercedes A-Klasse ihren 20. Geburtstag. Dabei startete der vanartige Kompakte ambitioniert, geriet dabei ins Kippen, schaffte mit diesem Stolperer eine Innovation, die aus dem modernen Autobau nicht mehr wegzudenken ist, und mutierte vor fünf Jahren zu einem der sportlichsten Kompaktwagen im Segment.

Knubbelig und bunt

Aber der Reihe nach: Mit dem neuen Einstiegsmodell wollten sich die Stuttgarter 1997 auf dem Genfer Autosalon ein neues und vor allem jüngeres Publikum erschließen. Bei der Markteinführung legte man größten Wert auf bunte Cockpit-Designs, knallige Lackfarben und ein frisches Image. Doch der Plan ging nicht auf: Die A-Klasse wurde zum Prototyp eines Rentner-Autos. Vor allem ältere Menschen liebten die hohe Sitzposition, die knappen Abmessungen, die gute Rundumsicht und natürlich auch den recht kommoden Einstiegspreis. Bei der Modellpflege 2001 änderte Mercedes daher die Positionierung des Autos und führte wieder das gewohnte Wurzelholz für den Innenraum, gediegene Außenfarben und die beigefarbenen Sitze ein. Damit stieg natürlich auch der Preis.

So präsentierte sich die A-Klasse zum Start im Jahr 1997.

So präsentierte sich die A-Klasse zum Start im Jahr 1997.

(Foto: Daimler AG)

Abseits davon punktete der Stupsnasen-Benz aber auch mit Innovationen: Trotz seiner kompakten Bauweise hatten die Passagiere Platz wie in einer Mittelklasselimousine. Im erstmals verbauten doppelten Boden sollte in nicht allzu ferner Zukunft eine Batterie oder Brennstoffzelle das Futter für einen E-Motor liefern. Warum es nicht dazu kam? Nun, die rigiden Umweltpläne in den USA wurden schneller wieder gelockert als erwartet. Es bestand keine Notwendigkeit mehr, dass die Verbrauchsbilanz - der ansonsten schwergewichtigen Mercedes-Flotte - mit einem Fahrzeug wie der A-Klasse gedrückt wurde. Aber nicht nur bei Mercedes verschwanden die Elektrifizierungspläne in der Schublade. Auch ein zur selben Zeit bei General Motors entwickelter EV1 geriet ins Hintertreffen. Heute findet man die Ideen unter anderen Namen allesamt wieder.

Zum Erfolg gekippt

Der größte Kritikpunkt aber, der die A-Klasse ereilte, war der Umstand, dass der Wagen durch seine Bauart alles andere als kippsicher war. Bei dem in Schweden obligatorischen "Elchtest" - einem schnellen Umfahren von Pylonen - fing der Wagen erst an zu Wanken, um sich dann gepflegt auf die Seite zu legen. Zur Lachnummer wurde der Benz aber nur für einen Augenblick. Denn in Stuttgart wurde kurzerhand die Entwicklung des Schleuderschutzes ESP zu Ende gebracht. Nach drei Monaten Produktionsstopp war der Kompakte damit wieder auf Kurs und die massenhafte Verbreitung des ESP in fast allen Autos, egal von welchen Herstellern, eingeläutet.

Nach dem Facelift 2004 wurde die A-Klasse gediegener, aber nicht schöner.

Nach dem Facelift 2004 wurde die A-Klasse gediegener, aber nicht schöner.

(Foto: Daimler AG)

Bis zum ersten Facelift im Jahr 2004 wurden weltweit übrigens 1,1 Millionen A-Klasse-Wagen verkauft. Auch danach blieb der Kompakte ein Verkaufsschlager. Allerdings immer noch beim falschen Publikum. Um sich letztlich zu verjüngen, wagte Daimler im Jahr 2012 einen radikalen Schritt: Die knuffige A-Klasse mutierte zum knallharten Straßensportler. Mit einer solchen Härte bei Fahrwerk und Optik hatte das alte A-Klasse-Publikum nicht gerechnet. Selbst die willigen Umsteiger aus C- und E-Klasse sahen sich durch diese Art der Federung arg malträtiert. Drei Jahre später wurde die Sport-Schraube etwas gelöst, und heute fährt die A-Klasse gemäßigter, aber nicht minder sportlich.

Die fünfköpfige Familie wächst weiter

Hinzu kommt, dass bis dato aus dem einstigen Einzelstück eine Kompakt-Familie von fünf Fahrzeugen erwachsen ist, rechnet man die B-Klasse mit ein. Und sie wird noch weiter wachsen. Mercedes spricht von künftig acht Modellen, die unter dem Kompakt-Label firmieren werden. Den jüngsten Neuzugang werden die Stuttgarter Ende April auf der Automesse in Shanghai präsentieren. Was es sein wird? Mutmaßlich eine A-Klasse-Limousine im neuen falzfreien Design von Gorden Wagener. Doch was es auch wird, es wird auf n-tv.de zu lesen und zu sehen sein. In der Gerüchteküche kocht auch ein B-Klasse-SUV, und relativ berechenbar ist ein Elektroauto in diesem Segment.

2012 kam der radikale Wandel zur sportlichsten A-Klasse aller Zeiten.

2012 kam der radikale Wandel zur sportlichsten A-Klasse aller Zeiten.

(Foto: Daimler AG)

Um sich für die Aufgabe des Familienprogramms zu rüsten, haben die Stuttgarter viel investiert. Allein in das Werk im ungarischen Kecskemét sind 800 Millionen Euro geflossen. Neben CLA und CLA-Shooting Brake wird dort auch die B-Klasse gebaut. Auf 100.000 Quadratmetern arbeiten unterdessen über 4000 Menschen, und 2016 wurden 500.000 Fahrzeuge ausgeliefert. Das Jubiläums-Fahrzeug war übrigens ein kosmosschwarzer CLA für einen ungarischen Kunden. Um die Produktion der eben erwähnten Zuwächse bei der A-Klasse zu sichern, wird seit vergangenem Jahr ein weiteres, ebenfalls 100.000 Quadratmeter umfassendes Areal erschlossen, auf dem für rund eine Milliarde Euro eine zweites Werk gebaut wird. Dort werden wiederum 2500 Menschen Arbeit finden.

A-Klasse am Ziel?

Nicht minder wichtig ist für die Produktion der A-Klasse-Familie das Werk in Rastatt. Hier lässt Daimler nämlich den absoluten Bestseller produzieren: den GLA. Der Wagen hat nach drei Jahren Anfang 2017 sein erstes Facelift bekommen. Auch der Mercedes-AMG 45 4Matic wird in Rastatt gefertigt. Im vergangenen Jahr verließen 300.000 Fahrzeuge das Werk mit 6500 Mitarbeitern. Aber noch etwas anders zeichnet Rastatt aus: Das Werk in Baden-Württemberg ist das sogenannte Lead-Werk im globalen Produktionsverbund. Von dort werden die Werke in Kecskemét, Peking und der Auftragsfertiger Valmet Automotive im finnischen Uusikaupunki gesteuert.

500.000 Fahrzeuge haben 2016 das Mercedes-Werk im ungarischen Kecskemét verlassen.

500.000 Fahrzeuge haben 2016 das Mercedes-Werk im ungarischen Kecskemét verlassen.

Fast 20 Jahre nach Erfindung der A-Klasse ist also aus dem Knubbelchen von damals eine Familie geworden, dessen Kundschaft im Schnitt um 13 Jahre jünger geworden ist. Hinzu kommt eine sogenannte Eroberungsrate von anderen Herstellern, die bei 70 Prozent liegt. Damit dürften die Stuttgarter am Ziel und die Kompaktmodelle endlich zu dem geworden sein, was schon die erste A-Klasse sein sollte: das Einstiegsmodell in die Mercedes-Benz-Welt.

Quelle: n-tv.de