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Die Top 10 von n-tv.de Seltenheiten von der Auto Shanghai

Von Michael Gebhardt, Shanghai

Auf der Shanghai Auto gibt es schon abgefahrene Kisten. Zum Beispiel den Carbon-Renner von KDO. Aber das ist nur die Spitze des Eisberges.

Auf der Shanghai Auto gibt es schon abgefahrene Kisten. Zum Beispiel den Carbon-Renner von KDO. Aber das ist nur die Spitze des Eisberges.

(Foto: Holger Preiss)

Auf der Messe in Shanghai können Autofreaks viele Exoten entdecken - zumindest bei uns sind die meisten der ausstellenden Marken völlig unbekannt. Wir waren vor Ort und haben uns unsere zehn Highlights ausgesucht.

Sie ist eine der größten Auto-Messen der Welt und lockt alle zwei Jahre Millionen Besucher an. Wer von den Besuchern allerdings nicht aus dem Reich der Mitte kommt, erlebt sein blaues Wunder: Zwar stellen auch die Branchengrößen Mercedes, VW, BMW und Co. ihre Produkte aus, doch das Gros der vertretenen Hersteller ist bei uns völlig unbekannt und mitunter lässt sich noch nicht mal der Markenname erkennen - von technischen Details ganz zu schweigen. Völlig frei von solchen Fakten haben wir uns trotzdem unsere zehn Highlights abseits der bekannten Autobauer ausgesucht.

NextEV Nio

Ok, NextEV hat man, wenn man sich für elektrische Supersportler interessiert, vielleicht schon mal gehört. Erst im Herbst 2016 hatte das Startup mit dem EP9 einen neuen Rekord auf der Nordschleife aufgestellt. Auf der China-Messe wird nun mit der Studie ES8 ein großes, siebensitziges SUV nachgeschoben, das sich auf mehr als fünf Meter erstreckt. Dank großzügigem Alu-Einsatz soll der Koloss verhältnismäßig leicht sein, das kommt der Reichweite entgegen. Außerdem soll die austauschbare Batterie besonders schnell geladen werden können - mehr technische Details nennt Nio allerdings noch nicht. Schon Ende 2017 soll allerdings die Serienversion fertig sein.

Der NextEV ist Rekordhalter auf der Nordschleife.

Der NextEV ist Rekordhalter auf der Nordschleife.

(Foto: Holger Preiss)

Hersteller: unbekannt

Mangels Chinesisch-Kentnissen unsererseits und nicht vorhandenem Englisch-Sprachschatz auf Seiten des Standpersonals müssen wir uns bei der Benennung dieses Kandidaten mit "schönes orangefarbenes SUV" begnügen. Der schnittige Hochbeiner mit extrem schmalen Scheinwerfern, riesigem Kühlergrill und markanten Ecken und Kanten im Blechkleid ist auf jeden Fall ein Blickfang auf der Messe. Und würde sich sicher auch auf unseren Straßen gut machen.

Der Name der Marke ist unbekannt, aber scharf sieht der Kanten schon aus.

Der Name der Marke ist unbekannt, aber scharf sieht der Kanten schon aus.

(Foto: Holger Preiss)

BAIC

Ein bisschen frech ist es schon. Direkt neben dem Mercedes-Stand hat sich auf der Messe der chinesische Kooperationspartner der Stuttgarter, BAIC, platziert und rückt dort einen nahezu originalgetreuen G-Klasse-Klon namens BJ80 ins Rampenlicht. Der ist zugegeben nicht ganz neu, aber immer wieder ein Hingucker - und anders als das Original, ist die 4,78 Meter lange Kopie jetzt auch als Plug-in-Hybrid erhältlich. Die Schwaben nehmen es mit Humor und konzentrieren sich an ihrem Stand lieber auf die neue S-Klasse.

Mercedes G-Klasse als Hybrid? Gibt's nicht? Doch in China!

Mercedes G-Klasse als Hybrid? Gibt's nicht? Doch in China!

(Foto: Michael Gebhardt)

AM

Noch eine Mercedes-Kopie, oder besser gesagt, eine Namenskopie. Denn die Fahrzeuge, die die chinesische Firma AM umbaut, sind durchaus echte Daimler. Allerdings erinnert das Logo und die Schrifttype, die die Asiaten verwenden, schon sehr an Mercedes’ Haustuner AMG. Statt um Leistung kümmert sich AM allerdings eher um Komfort und Luxus - und zwar im Sprinter. Aus den großen Lieferwagen macht das Unternehmen richtig elegante Wohnwagen: mit Küche und Bad, Liegesesseln, großen Fernsehern und auf Wunsch sogar Vorgarten.

AMG tunt jetzt auch Wohnmobile? Ach nein, da fehlt das G. Die Firma heißt AM.

AMG tunt jetzt auch Wohnmobile? Ach nein, da fehlt das G. Die Firma heißt AM.

(Foto: Holger Preiss)

Trumpchi

Ob der US-Präsident weiß, dass es in China einen Hersteller gibt, der seinen Namen nutzt? Sichern nicht, sonst hätte Donald Trump gewiss schon gegen Trumpchi getwittert, ähm gewettert. Seit 2010 produziert das noch recht junge Unternehmen Autos, das erste Modell bediente sich des Alfa Romeo 156 als Plattform. Inzwischen ist das Produktportfolio weit gefächert und im Januar hätte Trump "seine" Marke sogar auf der Auto Show in Detroit persönlich besuchen können. Mit dem großen SUV GS7 wollen die Chinesen (mal wieder) in den USA starten. In Shanghai dagegen stehen eher die diversen Hybrid-Modelle im Vordergrund.

Ein Auto für den US-Präsidenten? Trumpchi?

Ein Auto für den US-Präsidenten? Trumpchi?

(Foto: Michael Gebhardt)

Hongqi

Hongqi heißt übersetzt "rote Fahne", und genau die ziert als Logo die Motorhauben der Autos der gleichnamigen Marke. Und das übrigens schon seit gut 60 Jahren. 1958 stellte Hongqi seine erste Limousine, den CA72 vor - ein unlizenzierter Chrysler-Nachbau, der es immerhin zur Staatskarosse geschafft hat. Inzwischen bauen die Ingenieure eigene Autos, und die Designer zeigen, dass sie mehr können, als nachzeichnen. Die SUV-Studie HS7, die als klassischer Hausfrauenpanzer und einer Coupé-Version auf der Messe steht, beeindruckt jedenfalls mit einem überdimensionierten Kühlergrill mit auffälligen Querstreben, künstlerisch gestalteten Scheinwerfern und einem sich über die gesamte Breite der Front ziehenden schlundartigen Lufteinlass. Auch von hinten hinterlässt die goldgelb lackierte "rote Fahne" einen stattlichen Eindruck.

Eine Staatskarosse für jedermann.

Eine Staatskarosse für jedermann.

(Foto: Michael Gebhardt)

Lynk & Co

Als Geely, der chinesische Mutterkonzern von Volvo, im vergangenen Jahr sein erstes Modell vorstellte, wusste man nicht so recht, ob man das Projekt ernst nehmen sollte. Der Markenname klingt eher wie ein Plattenlabel, und das SUV 01 sieht aus wie ein etwas ungünstig abgemalter Porsche Cayenne. Doch Lynk & Co meint es ernst und kann schließlich auch auf solide Technik zurückgreifen. Unter dem 01-Blechkleid steckt ebenso wie beim jetzt gezeigten 03 Concept - einer klassischen Stufenheck-Limousine - eine Volvo-Plattform. Und zwar die gleiche, die auch den kommenden S40 und dessen Ableger tragen wird. Ende 2019 sollen die Lynk & Co-Modelle auch bei uns an den Start gehen.

Den Lynk & Co soll es in absehbarer Zeit auch in Deutschland geben.

Den Lynk & Co soll es in absehbarer Zeit auch in Deutschland geben.

(Foto: Holger Preiss)

VW

Ok, eigentlich wollten wir nicht über die großen, namhaften Hersteller sprechen. Und jetzt taucht VW doch auf. Aber nicht mit irgendeinem Polo, Passat oder Tiguan, sondern mit dem Lamando GTS. Das derzeit noch ausschließlich in China erhältliche, viertürige Coupé basiert wie zum Beispiel der Golf auf dem modularen Querbaukasten und ist eine Art Luxus-Jetta für das Reich der Mitte. Seit kurzem gibt es den Lamando außerdem in einer besonders sportlichen GTS-Ausführung, den ein 220 PS starker Vierzylinder befeuert. Bei so viel Power ist die ausladende Theke auf dem Kofferraumdeckel ein Muss!

So sieht der China-Golf aus.

So sieht der China-Golf aus.

(Foto: Michael Gebhardt)

Qoros

Wären die Pläne der Qoros-Lenker aufgegangen, würden ihre Modelle inzwischen auch bei uns die Straßen bevölkern. Immer wieder haben die Chinesen, die sich europäische Ingenieurskunst eingekauft haben, auf diversen Messen den Start in Deutschland und anderen westlichen Ländern angekündigt, doch inzwischen ist es wieder ruhig um die Marke geworden. Zumindest bei uns: Auf der Auto Shanghai zeigt sich Qoros mit der 870 PS starken Elektro-Studie K EV dagegen sehr lebendig. In 2,7 Sekunden soll das aggressiv gezeichnete 5,12-Meter-Flaggschiff auf Tempo 100 sprinten und schließlich bis zu 260 km/h schnell werden. Trotz der immensen Leistung soll die Reichweite locker bei 500 Kilometern liegen.

Quoros macht jetzt aus Tesla.

Quoros macht jetzt aus Tesla.

(Foto: Holger Preiss)

MG

MG, das waren doch die Engländer mit dem knuffigen Roadster? Richtig. Doch schon seit einiger Zeit gehört die Rover-Tochter nebst ihrer Mutter dem chinesischen SAIC-Konzern, der immer mal wieder davon träumte, MG wieder ganz groß raus zu bringen. Passiert ist das bislang nicht, doch mit der Studie E-Motion melden sich die Ex-Briten zumindest mal wieder zu Wort. Das schnittige Sportcoupé hinterlässt einen soliden Eindruck, der allerdings von vorne betrachtet auch ziemlich stark an Mazda erinnert. Wie der Qoros K EV, soll auch der E-Motion 500 Kilometer Reichweite haben, für den Standardsprint könnt er sich aber rund eine Sekunde mehr Zeit. Ob er jemals in Serie geht, steht in den Sternen.

MG präsentiert den elektrifizierten Roadster.

MG präsentiert den elektrifizierten Roadster.

(Foto: Michael Gebhardt)

Quelle: n-tv.de