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Nicht nur mit der Optik Neuer Opel Insignia will die Großen ärgern

Der neue Opel Insignia sieht schnittig aus. Besonders dann, wenn er mit dem OPC-Paket aufgewertet wurde.

Der neue Opel Insignia sieht schnittig aus. Besonders dann, wenn er mit dem OPC-Paket aufgewertet wurde.

(Foto: Holger Preiss)

Mit dem neuen Insignia will Opel nicht ins Premiumsegment aufsteigen. Aber ärgern will man die Großen schon. Und nicht nur die, auch die Konkurrenz wird infrage gestellt. Aber gelingt das? n-tv.de ist das Flaggschiff bereits gefahren.

Der neue Opel Insignia ist nach der Bekanntgabe, dass die Rüsselsheimer mit Peugeot verbandelt werden, so etwas wie der letzte Mohikaner, der letzte echte Opel! Ja, auch der steht auf einer GM-Plattform, die sich Epsilon 2 nennt. Aber alles, was die Marke mit dem Blitz in Zukunft präsentiert, wird auch den Stempel der Löwenmarke tragen: Crossland X, Grandland X und auch bei den Transportern sind die Kooperationen schon verbindlich.

Optisch gelungen und gut sortiert

Doch kommen wir zurück zum Insignia. Der ist in seiner zweiten Auflage optisch ausgenommen gut gelungen und die Opelianer sind sich sicher, dass sie mit dem Auto durchaus die Premium-Konkurrenz ärgern können. Natürlich gehört dazu mehr als eine hübsche Fassade und so haben Designer und Ingenieure dafür gesorgt, dass sich auch an anderen Stellen einiges zum Vorgänger verändert hat. Der ist immerhin schon seit 2008 auf dem Markt und hat sich außer mit einem Facelift 2013 nur marginal gewandelt. Allerdings erfreute sich der große Opel europaweit solcher Beliebtheit, dass er sich in acht Jahren immerhin 930.000 Mal verkaufte. Eine Quote, die der Nachfolger natürlich gerne übertreffen möchte.

Die gepfeilte Chromleiste verstärkt nicht nur die Dynamik der Dachlinie, sondern nimmt auch den Schwung der Bumeranglinie im Blech vorweg.

Die gepfeilte Chromleiste verstärkt nicht nur die Dynamik der Dachlinie, sondern nimmt auch den Schwung der Bumeranglinie im Blech vorweg.

(Foto: Holger Preiss)

Deshalb hat Opel nicht nur ein Aha-Erlebnis beim Betrachten der zweiten Generation geschaffen, sondern setzt dieses beim Besteigen der Coupé-Limousine fort. Saß der Pilot früher auf dem Sitz des Insignia, darf er heute in ihm Platz nehmen. Ganze drei Zentimeter ist das Gestühl in Richtung Bodenblech gewandert, was die Sitzhaltung deutlich sportlicher gestaltet als noch im Vorgänger. Auch das Lenkrad fühlt sich griffiger an, die Knöpfe am Volant haben angenehmere Druckpunkte und die gesamte Bedienung ist dem Fahrer zugewandt und hierarchisch geordnet. Das heißt, über dem 7 oder 8 Zoll großen Hauptmonitor in der Mittelkonsole werden alle Bedienoptionen angeboten: Radio, Navi, Telefon und Fahrzeugkonfiguration. Darunter liegen die Knöpfe für die Klimaanlage und neben dem Ganghebel gruppieren sich die Tasten für die Fahrmodi, aber dazu später.

Weniger kann mehr sein

Auch ergonomisch gibt es nichts am Insignia auszusetzen. Die Gangschaltung des manuellen Sechsganggetriebes ist etwas weiter nach hinten gesetzt, so dass der rechte Unterarm lässig auf der Mittelarmlehne ruhen kann, während die Hand die Gänge locker-flockig durch die Gassen führt. Das jedenfalls gefiel vor allem beim ersten Ausritt mit dem neuen 1,5-Liter-Triebwerk, das in seiner zweiten Ausbaustufe statt 140 ordentliche 165 PS leistet, aber ebenfalls nur 250 Newtonmeter an die Vorderachse schickt.

Aufgeräumt und fahrerorientiert ist das Cockpit des Opel Insignia.

Aufgeräumt und fahrerorientiert ist das Cockpit des Opel Insignia.

(Foto: Holger Preiss)

Das reicht nicht, um die 1,5 Tonnen schwere Coupé-Limousine, die zum Vorgänger ordentliche 175 Kilogramm abgespeckt hat, zum Hypercar zu machen, beschleunigt das Rüsselsheimer Flaggschiff aber immerhin in 8,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Die Spitze gibt Opel mit 225 km/h an. Das reicht völlig aus und untermauert ebenso wie der Spritverbrauch - der über 125 gefahrene Kilometer bei 8,3 Litern lag - die Auslegung des Insignia als Langstreckenläufer. Auch ohne adaptives Fahrwerk, das Opel FlexRide nennt und ausschließlich für die großen Motorisierungen angeboten wird, federt das 4,90 Meter lange Coupé Unebenheiten angenehm straff weg, ohne das Gefühl zu vermitteln, übermäßig hart zu sein. Besonders erfreulich ist aber die ausgezeichnete Laufruhe. Selbst bei gefahrenen 180 km/h flüstern sich Motor und Straße, untermalt von leisen Windgeräuschen, ins Auto, so dass angeregten Gesprächen oder den Klängen aus der optionalen Bose-Anlage nichts im Wege steht.

Platz und Dynamik?

Ebenso angenehm ist das Platzangebot für die Fondpassagiere. Wie für Fahrer und Beifahrer, wurden auch deren Sitzmöbel 2,9 Zentimeter abgesenkt, so dass der Kopf - auch bei großen Passagieren - nicht das dynamisch abfallende Dach touchiert. Im Kofferraum findet Gepäck mit einem Volumen von 490 Litern Platz. Wenn die asymmetrisch teilbare Rückbanklehne umgeworfen wird, sind es sogar 1450 Liter. Das sind 310 Liter weniger als bei einem Škoda Superb mit Fließheck, was selbstredend dem Umstand geschuldet ist, dass man beim Rüsselsheimer einer gewissen Dynamik den Vorzug gegeben hat. Störender könnte da schon eher die recht hohe Ladekante sein.

Die Sitze mit dem Gütesiegel der "Aktion gesunder Rücken" sind nicht neu, aber sehr bequem.

Die Sitze mit dem Gütesiegel der "Aktion gesunder Rücken" sind nicht neu, aber sehr bequem.

(Foto: Holger Preiss)

In sich ist der Opel aber absolut stimmig und mit einem Einstiegspreis für den 140 PS starken Benziner von 25.940 Euro zeigt er sich auch klar als direkter Konkurrent des großen Tschechen. Und weil die so erfolgreich mit ihren sportlich aufgewertete Fahrzeugen sind - man denke hier an den Octavia RS oder an den Superb Sportline - haben auch die Rüsselsheimer vor der zu erwartenden Rakete in Form des OPC, einen 260 PS starken 2.0 Liter Benziner ins Rennen geschickt. Leider überzeugte der Racer bei der ersten Ausfahrt nicht in allen Punkten. Klar sind 400 Newtonmeter, die über eine sauber schaltende und erstmals im Insignia verbaute Achtgang-Automatik an alle vier Räder verteilt werden, eine Ansage.

Doppelkupplung statt Differenzial

Auch der Umstand, dass aus dem Stand in 7,3 Sekunden Landstraßen-Tempo erreicht ist und die Tachonadel erst an der 250 ihren Lauf beendet, sprechen für sich. Hinzu kommt ein "echtes" Torque Vectoring, mit dessen Hilfe sich das Kraftpaket schon vehement um die Kurven werfen lässt. Bei dem Allradsystem ersetzen nämlich zwei Kupplungen an der Hinterachse ein konventionelles Differenzial. Dadurch können die Räder individuell und je nach Fahrsituation angesteuert und beschleunigt werden. Tatsächlich lassen sich sonst erforderliche Bremseingriffe viel feiner dosieren und höhere Kurvengeschwindigkeiten erreichen.

Was dem entgegen steht, ist die nicht wirklich straffe Lenkung. Zwar offeriert der Sportler neben Tour und Normal auch den Fahrmodus Sport, aber weder das schon erwähnte FlexRide-Fahrwerk, noch die Lenkung scheinen Notiz von den durch den Fahrer eingegebenen Vorgaben zu nehmen. Nicht, dass der Insignia im Sportdress seinem Anspruch nicht gerecht werden würde, aber dynamische Fahrer könnten hier ein wenig enttäuscht sein. Dabei kann der Pilot in dieser Ausstattung sogar seine individuellen Vorlieben konfigurieren: Lenkung auf Sport, Fahrwerk auf Tour et cetera. Doch noch ein zweiter Umstand trübt die Freude am Rüsselsheimer Dynamiker: der Verbrauch. Mit durchschnittlich 12 Litern läuft hier definitiv zu viel Sprit durch die Leitungen. Noch dazu, wenn man bedenkt, dass sich die Leistungsanforderungen während der Testfahrt im unteren und mittleren Bereich bewegt haben. Ob es letztlich lohnt, die mindestens 41.500 Euro für den 260 PS starken Insignia auszugeben, muss jeder für sich selbst herausfinden. Nur noch mal zur Erinnerung: Ein Skoda Superb Sportline mit 280 PS und Allrad kostet blank knapp 45.000 Euro.

490 Liter Kofferraumvolumen und eine etwas zu hohe Ladekante gibt es, wenn man die Heckklappe des Insignia Grand Sport öffnet.

490 Liter Kofferraumvolumen und eine etwas zu hohe Ladekante gibt es, wenn man die Heckklappe des Insignia Grand Sport öffnet.

(Foto: Holger Preiss)

Lieber in Ausstattung investieren

In beiden Fällen viel Geld, das gewinnbringender in die Ausstattung des schon beschriebenen 1,5-Liter-Benziners gesteckt werden kann oder in einen der drei zur Wahl stehenden Diesel, deren Leistungsband von 110 bis 170 PS reicht. Denn neben Innovationen wie einem ausgezeichneten Head-up-Display, einer 360-Grad-Kamera mit Rundumsicht und Vogelperspektive gibt es einen aktiven Spurhalteassistenten, einen adaptiven Geschwindigkeitsregler mit automatischer Notbremsfunktion oder einen Rückfahrassistenten mit Querverkehrswarnung. Der Clou ist aber das neue LED-Matrix-Licht. Statt der noch im Astra benutzten 16 LED-Segmente sind es jetzt 32, die noch schneller und präziser Wesentliches ausleuchten und anderes aus dem Lichtkegel ausblenden sollen. Hinzu kommt ein Fernlichtstrahl von bis zu 400 Metern. Da dürfte nichts mehr im Dunkeln bleiben.

Geld kann der Insignia-Käufer in Zukunft auch für die Individualisierung seines Fahrzeuges ausgeben. Bei "Opel Exclusive" geht es ausschließlich um optische Belange. Im ersten Schritt (die Möglichkeiten sollen noch ausgebaut werden) kann der Kunde seine Lieblingsfarbe im Netz-Konfigurator anmischen und an seinem Fahrzeug in 4K-Auflösung bestaunen. Das Muster geht dann nach Rüsselsheim und wird dort an die Lackiererei gegeben. Am Ende erhält der Insignia-Fahrer sein Fahrzeug in einer Farbe, wie es sie so garantiert nur einmal gibt. Na, wenn das nichts ist.

Quelle: n-tv.de


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