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Wer bessere Idee hat, melde sich Muss die Autowelt smart(er) werden?

Smart-Chefin Annette Winkler brennt für ihr Produkt, egal, wo sie in der Welt dafür auftritt.

Smart-Chefin Annette Winkler brennt für ihr Produkt, egal, wo sie in der Welt dafür auftritt.

(Foto: Daimler AG)

Beim Genfer Autosalon sind E-Autos und Kleinwagen kaum von Interesse. Insofern ist der Stand von Smart wie ein gallisches Dorf. n-tv.de sprach am Lac Léman mit Smart-Chefin Winkler über E-Autos in Großstädten, ein Apple-Car und Car Sharing.

Dass die Mobilität sich wandelt, ist ein offenes Geheimnis. Und tatsächlich war es nicht der Dieselskandal von VW, der die Autohersteller umdenken ließ. Bereits vorher wurden die Schalter auf Elektromobilität umgelegt. Vielleicht nicht so konsequent wie jetzt, aber Elektroautos gab es schon früher. Smart zum Beispiel testete seinen ersten E-Smart 2008 in einem Großversuch in London. Seit dieser Zeit ist die Entwicklung rasant vorangeschritten. Die Reichweiten für Elektroautos haben sich mehr als verdoppelt, aber ausgerechnet Smart setzt weiter auf eine Reichweite von knapp 160 Kilometern. Warum? "Wissen Sie, ich könnte natürlich gerade bei einem Auto wie dem Smart forfour electric drive einen Akku einbauen lassen, der die Reichweite verdoppelt. Aber die Autos, die über 400 Kilometer Reichweite haben, die kosten dann auch über 30.000 Euro."

Ein Preis, den Smart-Chefin Annette Winkler bei ihren Autos nicht sehen möchte. Schon gar nicht bei den elektrisch betriebenen. "Uns war es wichtig, Elektromobilität erschwinglich zu machen." Am Ende ist es tatsächlich so, dass ein Smart electric drive - wohlgemerkt mit den staatlichen Subventionen - nicht mehr kostet als ein Verbrenner. "95 Prozent meiner Kunden", so Winkler, "brauchen die Reichweite nicht. Klar, es mag Menschen geben, die das wollen, aber ich muss mich ja auch irgendwo nach den Kundenwünschen richten." Und tatsächlich ist es ja so, dass sich Elekroautos trotz staatlicher Förderung eher in homöopathischen Größenordnungen verkaufen, egal wie groß die Reichweite ist.

Der Smart electric drive ist gerade, weil er nur 160 Kilometer Reichweite offeriert, preiswerter.

Der Smart electric drive ist gerade, weil er nur 160 Kilometer Reichweite offeriert, preiswerter.

(Foto: Holger Preiss)

Smart-Kunden sind anders

Ein Umstand, der gerade Annette Winkler wurmen müsste. "Na ja, der Smart electric drive ist ja noch nicht da. Ich bin sehr gespannt, was passiert. Die Kunden haben ein enormes Interesse signalisiert, weil die Subventionen bei uns wesentlich mehr bringen als bei anderen Elektroautos." Dennoch stellt sich die Frage, ob es eine kluge Entscheidung ist, in den USA in Zukunft ausschließlich Elektro-Smarts verkaufen zu wollen. "Ich denke schon, dass das eine kluge Entscheidung ist, sonst hätten wir sie ja nicht getroffen", so Winkler. Der Umstand, dass in Kanada 50 Prozent, in den USA gar nur 25 Prozent der abgesetzten Smarts elektrisch betrieben werden, ficht die Smart-Chefin nicht an.

"Smart-Kunden in den USA sind extrem. Die wollten schon immer etwas ganz Besonderes, weil dort das Auto tatsächlich ganz stark aus lifestyle und ökologischen Gründen gekauft wird. Hinzu kommt, dass wir mehr auf Städte gesetzt haben. Dazu gehören Miami, Los Angeles und San Francisco." Zudem rechnet Winkler damit, dass die Leute, die tatsächlich noch auf den Verbrenner setzen - auch aus dem Umstand heraus, dass es den nicht mehr geben wird - sich umorientieren. Der Gedenke ist vielleicht gar nicht so verkehrt, birgt er doch eine subtile Erziehung der Kunden in sich. Ob es funktioniert, wird sich zeigen.

Die Ladezeit ist entscheidend

Fakt ist, dass US-Städte anders strukturiert sind. Dort ist das Zentrum weniger Lebens- als vielmehr Arbeitsort. Die Menschen strömen zu großen Teilen aus der Peripherie zu ihren Arbeitsplätzen. In Deutschland ist auch die Stadtmitte Wohn- und Lebensraum. Mietwohnungen bilden den Schwerpunkt, an denen es ausgesprochen schwierig ist, eine Wallbox anzubringen. Verlängerungskabel aus den Fenstern hängen zu lassen, um die Batterie des E-Autos zu laden, ist auch nicht gerade opportun und in vielen Fällen schlicht unmöglich. Selbst die Infrastruktur an Ladestationen in Großstädten lässt momentan zu wünschen übrig.

Auch farblich hat der "Elefantenrollschuh" einiges zu bieten.

Auch farblich hat der "Elefantenrollschuh" einiges zu bieten.

(Foto: Holger Preiss)

Aber auch das ist für die Smart-Chefin kein Argument. "Es gibt immer mehr Supermärkte und Tiefgaragen, die mit entsprechenden Ladestationen ausgestattet sind. Hinzu kommt, dass wir in Zukunft kaum mehr als 45 Minuten brauchen, um die Akkus der Fahrzeuge zu befüllen." Außerdem, argumentiert Winkler, gibt es immer mehr Arbeitgeber, die ihre Parkplätze mit entsprechenden Ladestationen ausrüsten. Es muss also in Zukunft nicht das eigene Haus sein, das als Ladestation genutzt wird.

Autobau ist eine hohe Kunst

Für Annette Winkler steht fest, dass die Entwicklung hin zur Elektromobilität nicht aufzuhalten ist. Aber hier steht Smart nicht allein. Auch andere Hersteller sind mit dem Thema befasst und selbst die Big Player der Smartphone-Industrie sind der Elektromobilität zugewandt. Da wäre es doch nur konsequent, wenn sich eine mutmaßlich hippe Marke wie Smart zum Beispiel mit Apple oder Google zusammenschließen würde. "Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht", antwortet Winkler überrascht. "Das es eine starke Zusammenarbeit, ja auch Kooperationen geben wird, ist ganz klar."

Aber hier geht es eher um Fragen der Konnektivität als darum, dass gemeinsam Autos gebaut werden. Für Winkler muss das in dem Fall nicht Apple sein. Sie setzt eher auf die "Kleinen und Wilden". "Und ganz ehrlich", so Winkler, "Autobau ist schon eine hohe Kunst. Hinzu kommt der Vertrieb in der ganzen Welt, der in jedem Land anderen Vorschriften unterliegt." Zudem, und das ist nicht von der Hand zu weisen, wollen die Menschen am Ende des Tages, dass das Auto fährt und sicher ist. "Aber wer immer eine bessere Idee hat, der soll sich melden", so Winkler schmunzelnd.

Die Zukunft der Mobilität sieht Winkler auch im Projekt "ready to share".

Die Zukunft der Mobilität sieht Winkler auch im Projekt "ready to share".

(Foto: Holger Preiss)

Car Sharing muss wirtschaftlich bleiben

Nun ist Smart aber nicht nur ein Hersteller von Stadtautos mit Verbrenner und Elektroantrieb. Ein anderes Modell, um Menschen in Städten zu bewegen, ist der Carsharing-Service "Car to go". Eine wunderbare Idee, die aber leider nur bis zum Stadtrand funktioniert. Wer außerhalb wohnt, hat bei diesem Modell einfach verloren. Wäre es da nicht eine gute Idee, den Radius auszuweiten und sich so mehr und zufriedenere Kunden zu sichern? "Nein, inzwischen ist es sogar so, dass wir den Radius wieder verkleinern wollen. Der größte Schmerzpunkt des Car2go-Kunden ist, wenn die Wege zum Auto zu groß werden." Ein zweiter Punkt ist die Rentabilität. Je weiter sich die Flotte aus der Stadt hinausbewegt, desto größer muss sie werden und umso größer werden die Anschaffungskosten und die Kosten zur Pflege des Bestands.

"Etwas anderes ist es, wenn die Autos autonom fahren. Dann haben wir keine Probleme mehr mit der Rückführung und können den Bewegungsradius natürlich um ein Vielfaches erweitern", so Winkler. "Aber von diesem Zustand sind wir, bei allem technologischen Fortschritte, doch noch ein gutes Stück entfernt." Eine andere Möglichkeit sieht die Smart-Chefin in dem neu initiierten Projekt "ready to share". Hier stellen Privatkunden ihre Autos einem bestimmten ausgewählten Kreis zur Verfügung wenn sie es nicht brauchen. Ob und wie viele Menschen aber bereit sind, ihren Smart mit anderen zu teilen, muss sich noch herausstellen. Charmanter ist schon der Gedanke, dass irgendwann das Auto vorfährt und die Reisenden ohne viel Zutun dort abliefert, wo sie hinmöchten.

Quelle: n-tv.de


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