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Elektroauto und Wasserstoff-SUV Mercedes stromert ins Morgen

Mit dem EQA zeigt Mercedes auf der IAA, wie man sich eine elektrisierte A-Klasse vorstellt. 2020 soll sie auf den Straßen fahren.

Mit dem EQA zeigt Mercedes auf der IAA, wie man sich eine elektrisierte A-Klasse vorstellt. 2020 soll sie auf den Straßen fahren.

(Foto: Holger Preiss)

Auf der IAA packen die Hersteller neben einigen Boliden auch Konzepte zur E-Mobilität aus. Mercedes greift dazu auf eine erprobte Technologie zurück, um sie mit neuer zu koppeln und fährt mit einer Studie der Zeit voraus.

Vor etwas mehr als einem Jahr ließ Mercedes auf dem Pariser Autosalon mit dem Concept EQ die Idee eines vollelektrisch betriebenen SUV-Coupés vorfahren. Jetzt zeigen die Stuttgarter auf der IAA wie ein EQ-Modell im Kompaktsegment aussehen könnte. Daran, dass es Mercedes mit der Elektrifizierung seiner Fahrzeuge ernst meint, besteht kein Zweifel. Nicht nur, dass die Mitbewerber wie Jaguar und BMW gleiches ankündigen, verspricht Daimler-Chef Dieter Zetsche, dass Mercedes "bis 2022 mehr als zehn vollelektrische Fahrzeuge auf dem Markt haben wird" und insgesamt 50 elektrifizierte Autos im Angebot sein werden. Bei Smart geht Daimler sogar noch weiter. Bis 2020 sollen die Fahrzeuge der Marke in Europa und Nordamerika komplett auf elektrische Antriebe umgestellt sein.

Die Studie des EQA wirkt wie aus einem Guss.

Die Studie des EQA wirkt wie aus einem Guss.

(Foto: Holger Preiss)

400 Kilometer rein elektrisch

Wie sich das technisch darstellt, zeigt die Studie des EQA. Der Stromer wird von zwei Elektromotoren angetrieben, deren Systemleistung dank der skalierbaren Batteriekomponenten auf über 200 kWh gesteigert werden kann. Für hohe Fahrdynamik sollen ein permanenter Allradantrieb und die Fahrprogramme "Sport" und "Sport Plus" sorgen. Sie garantieren auch eine unterschiedliche Momentenverteilung zwischen Front und Heck und geben dem Fahrer so die Möglichkeit, die Fahrcharakteristik des EQA individuell abzustimmen.

Die Veränderung der Fahrprogramme wird durch die sogenannten Black-Panel-Flächen, die einen nicht mehr benötigten Kühlergrill simulieren, visualisiert. Wählt der Pilot Sport, bildet die Front einen glimmenden Flügel im Horizontalformat ab, während bei Sport Plus vertikale rote Streben im Stil des Panamericana-Grills gezeigt werden. Wer allerdings länger mit leuchtend roter Front unterwegs ist, dürfte selten die für die leistungsstärkste Batterie anvisierten 400 Kilometer erreichen. Die Lithium-Ionen-Batterien mit sogenannten Pouch-Zellen sollen dank modularer Bauweise über eine modellspezifische Gesamtkapazität von 60 kWh verfügen. Geladen werden die Akkumulatoren via Induktion oder Wallbox.

Neue "Elektro-Ästhetik"

Aber nicht nur Leistung und Reichweite sollen bei der Studie kommende Käufer überzeugen, auch optisch will der EQA die Designsprache von Mercedes konsequent weiterentwickeln. "Wir haben Kanten und Linien bewusst weggelassen und so das nächste Niveau der Klarheit erreicht", so Mercedes-Designchef Gorden Wagener. Ein Beispiel für die neue "Elektro-Ästhetik" ist nach Ansicht der Designer auch die Lichttechnologie mit Laserfasern. Dabei wird ein laseraktives Medium in die Mitte eines optischen Lichtleiters eingebettet. Die daraus entstehende Lichtgrafik im Hauptscheinwerfer ist dabei absolut virtuos einsetzbar. Im Falle des EQA soll sie die Kupferwicklung in einem Elektromotor symbolisieren und elektrische Impulse visualisieren. Ob diese Gimmicks in den Serienfahrzeugen noch zu finden sind, bleibt abzuwarten. Das erste Serienmodell der Produktmarke EQ, der EQC, soll jedenfalls ab 2019 im Mercedes-Benz-Werk in Bremen vom Band laufen und die Gene der Pariser-Studie in sich tragen.

Brennstoffzellen und Batterie

Allerdings rückt Mercedes im Zuge der Elektrifizierung auch eine alte Technologie unter dem EQ Label wieder in den Fokus und präsentiert die Vorserie des weltweit ersten Elektrofahrzeugs mit Brennstoffzellen- und Batterieantrieb: den Mercedes GLC F-Cell. Während der Antrieb mit Wasserstoff nicht neu ist, ist die Kombination mit einer Lithium-Ionen-Batterie als zusätzlicher Energiequelle, die via Plug-in-Technologie geladen werden kann, ganz neu. Neu ist auch das Brennstoffzellensystem, das gegenüber dem der seit 2010 erhältlichen B-Klasse F-Cell etwa 30 Prozent kompakter und 40 Prozent leistungsfähiger geworden ist. Ein Umstand, der dafür sorgt, dass das Antriebssystem erstmals vollständig im Motorraum untergebracht werden kann. Zudem wurde der Einsatz von Platin in der Brennstoffzelle um 90 Prozent reduziert.

Der GLC F-Cell kombiniert eine bekannte und eine neue Technik.

Der GLC F-Cell kombiniert eine bekannte und eine neue Technik.

(Foto: Holger Preiss)

Als Antrieb dient eine im Heck verbaute Asynchronmaschine mit einer Leistung von 200 PS und einem Drehmoment von 350 Newtonmeter. Weil der Elektroantrieb keine Kardanwelle benötigt, entsteht Raum für einen der beiden 4,4 Kilogramm fassenden Wasserstofftanks; der zweite Tank ist unter der Rücksitzbank verbaut, die Batterien befinden sich ebenfalls im Heck. Wie der Plug-in-Hybrid des GLC verfügt die Brennstoffzellenvariante über die Fahrprogramme Eco, Comfort und Sport. Während die Fahrprogramme das Verhalten des Autos und somit das Fahrerlebnis verändern, beeinflussen die Betriebsarten Hybrid, F-Cell, Battery und Charge das Zusammenspiel zwischen Brennstoffzelle und Hochvoltbatterie. Was allen Betriebsmodi gleich ist, ist die Rekuperationsfunktion, die es ermöglicht, entstehende Energie beim Bremsen und Ausrollen im Akku zu speichern. Der Wasserstofftank soll den F-Cell jedenfalls 400 Kilometer antreiben, währen der Akku zusätzlich 50 Kilometer Vortrieb garantieren soll.

Es steht und fällt mit der Infrastruktur

In puncto Alltagstauglichkeit müssen Kunden wie beim GLC Plug-in-Hybrid eine leicht nach oben versetzte Rücksitzbank und eine kleine Stufe im Kofferraum in Kauf nehmen. Ansonsten bietet der Stuttgarter nach einer ersten Sitzprobe den uneingeschränkten Komfort, wie man ihn aus bekannten Serienmodellen gewohnt ist. Aufgewertet wird die Anmutung durch ein neues Kombiinstrument, das als Volldisplay mit 12,3 Zoll Diagonale über der Mittelkonsole aufragt. Neu im GLC F-Cell ist auch das Multifunktions-Touchpad mit Handschriftenerkennung, das in den präsentierten Vorserienfahrzeugen auf der IAA seine Weltpremiere feiert.

Und wann ist so ein GLC F-Cell käuflich zu erwerben? Nun, die Serienfertigung soll in den letzten Zügen liegen, versichert Mercedes. Momentan werden marktspezifische Vertriebskonzepte geprüft, darunter auch die Möglichkeit eines Mietmodells. Ein Umstand, der darauf hindeutet, dass die attraktive Elektrovariante eines SUV nicht ganz billig sein dürfte. Letztlich – und dieser Ansicht folgt auch Mercedes – hängt der Erfolg der Elektromobilität von einer flächendeckenden Infrastruktur ab. Dazu gehört sowohl der Ausbau von Stromladestationen als auch von Wasserstofftankstellen. Mercedes selbst ist Partner in der Vereinigung "Joint Venture H2 Mobility", die bis Ende 2018 mindestens 100 Wasserstofftankstellen in Deutschland gebaut haben wollen. Bis 2023, heißt es weiter, wird das Netz auf 400 H2O-Zapfsäulen erweitert.

Quelle: n-tv.de


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