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32er-Blatt wie ein 50er Kleine Nabenschaltung mit großer Wirkung

Kappstein setzt vorne ein 32er-Kettenblatt ein. Das Planetengetriebe simuliert ein zusätzliches 50er-Kettenblatt.

Kappstein setzt vorne ein 32er-Kettenblatt ein. Das Planetengetriebe simuliert ein zusätzliches 50er-Kettenblatt.

Nabenschaltungen sind eine feine Sache. Viele bieten allerdings nur wenige Übersetzungsstufen an. Mit dem Tretlagergetriebe Doppio von Kappstein lässt sich die Gangzahl verdoppeln. Der Clou: Es ist nahezu unsichtbar.

Mittelgetriebe sind derzeit in der Zweiradszene angesagt. Eine neue und extrem klein bauende Tretlager-Zweigangschaltung namens Doppio bietet neuerdings Kappstein an. Die minimalistische Lösung passt vor allem zu spartanischen Rädern wie dem Mitte von 8bar. Obwohl optisch unscheinbar, entfaltet das nur knapp einen Zentimeter flache Micro-Getriebe eine enorme Wirkung: Es verdoppelt nämlich die Anzahl der Gänge.

Ob man eine solche Vermehrung der Übersetzungsverhältnisse wirklich braucht, sei dahingestellt. Die elf Stufen der großen Alfine-Nabe, die im 8bar-Testrad eingebaut ist, sollten im Alltag eigentlich reichen. Zusätzlich zu dieser Nabenschaltung hat das Bike direkt am Tretlager noch den kleinen Doppler, den man ob seiner kompakten Bauart gar nicht als solchen erkennt. Lediglich ein kleiner Bowdenzug Richtung Tretlager und ein Drehring am Lenker deuten auf das unscheinbare Zusatzgetriebe hin.

Das Fahrradmodell Mitte von 8bar ist ein sehr spartanisches Bike.

Das Fahrradmodell Mitte von 8bar ist ein sehr spartanisches Bike.

Minimalistische Gesamtästhetik

Bei dem spartanisch gestalteten Fitness-Bike auf Basis des nur 1,7 Kilogramm leichten 8bar-Mitte-Rahmens spielt das Doppio-Getriebe ästhetisch seine Vorteile aus. Statt zwei Kettenblätter am Tretlager kommt nur eines und zudem noch ein recht kleines zum Einsatz. Die Kappstein-Lösung fügt sich also perfekt in eine minimalistische Gesamtästhetik ein und fällt mit rund 700 Gramm zudem noch einigermaßen leicht aus. Das komplette Kurbelset soll 1250 Gramm wiegen, was im Vergleich zu vielen Sets mit zwei Zahnkränzen vorne durchaus konkurrenzfähig ist.

Das kleine Planetengetriebe ist von einem Kettenblatt mit 32 Zähnen umringt. In der 1:1-Übersetzung fährt man also vorne mit einem relativ kleinen Zahnkranz und einer entsprechend kurzen Übersetzung zur Alfine-Nabe. Alternativ stellt man mit einem kurzen Dreh am Ringschalter vorne ein längeres Übersetzungsverhältnis her. Der Wechsel von kurz auf lang funktioniert unter Volllast umgehend und ohne Kraftschlussunterbrechung. Lediglich beim Wechsel zurück in die kürzere Übersetzung muss man kurz die Pedale entlasten.

Über einen kleinen Ringschalter am Lenkrad kann man die zwischen den beiden Übersetzungsstufen wählen.

Über einen kleinen Ringschalter am Lenkrad kann man die zwischen den beiden Übersetzungsstufen wählen.

Zu viele Gänge?

Im langen Übersetzungsmodus wirken die sechs kleinen Planeten im Doppio-Getriebe mit einem Faktor von 1:1,57 auf das 32er-Blatt. Entsprechend fährt man dann vorne mit einem virtuellen 50er-Kettenblatt. Während man beim echten Kettenblatt eine Reihe eigentlich zu kurzer Übersetzungen hat, stehen beim virtuell vergrößerten einige sehr lange Übersetzungen zur Verfügung, die nach einem Drehmoment verlangen, mit dem kaum jemand fahren dürfte. Im durchschnittlichen Fahrradalltag wird ob dieser Übersetzungsextreme etwa ein Drittel der Gänge ungenutzt bleiben.

Und hier könnte man auch die Frage nach dem Sinn eines zusätzlichen Doppio-Getriebes stellen: 22 Gänge lohnen sich nur unter sehr speziellen Anforderungen. Wer in bergigen Regionen häufiger besonders steile Anstiege nehmen muss, wird eine solche Spreizung möglicherweise begrüßen. Vor allem ein Einsatz bei Mountainbikes scheint da sinnvoll. Bei einem Alltagsrad im Flachland hingegen wäre diese Varianz übertrieben, zumal das Doppio-Getriebe Zusatzkosten von rund 450 Euro verursacht.

Von Kappstein gibt es auch die passenden Tretkurbeln.

Von Kappstein gibt es auch die passenden Tretkurbeln.

Alternative zu anderen Nabenschaltungen

Bei einem Single-Speed-Rad, einer Dreigangnabe oder auch einer achtstufigen Alfine-Nabe dürfte das Doppio-Getriebe hingegen eine durchaus interessante, ja sinnvolle Ergänzung sein. Ursprünglich hat Kappstein die Lösung entwickelt, um die Varianz der Übersetzungen für seinen Pedelec-Motor mit drei Gängen zu erhöhen. Letztlich wurde das Doppio-Getriebe für den Einsatz in nicht elektrifizierten Rädern weiterentwickelt.

Herausgekommen ist ein smartes, schickes und einwandfrei funktionierendes Kleinod der Getriebetechnik. Nach ein wenig Wartung verlangt das Doppio allerdings. Der Hersteller empfiehlt, es nach 5000 Kilometern oder zwei Jahren zu öffnen, zu reinigen und zu schmieren. Gleich sechs Planeten kommen beim Doppio zum Einsatz, was eine lange Lebensdauer verspricht. Mindestens 15.000 Kilometer soll die Ansammlung kleiner Zahnräder halten. Als Nachrüstset gibt es das Kappstein Doppio vorerst nicht. Derzeit wird das Mittelgetriebe nur Fahrradherstellern angeboten. Eine Handvoll Edelbike-Schmieden, wie etwas Nua Bikes, 8bar, Velocipedo oder Urwahn, bieten diese Lösung an ihren feinen und entsprechend hochpreisigen Rädern an. 

Quelle: n-tv.de , hpr/sp-x

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